Angebot der Tagesmütterbetreuung und Kinderfrauen wird in der Samtgemeinde Brome gut angenommen

„Da muss eine Menge Herzblut mitspielen“

In der Samtgemeinde Brome gibt es zehn Tagesmütter und Kinderfrauen – zwei lassen sich noch qualifizieren. Fotos: Hussak/dpa
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In der Samtgemeinde Brome gibt es zehn Tagesmütter und Kinderfrauen – zwei lassen sich noch qualifizieren.

Voitze. Seit den umfangreichen Gesetzesänderungen durch das Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) und das Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz (KICK) im Jahr 2005 ist der Stellenwert der Kindertagespflege deutlich gestiegen.

Die Kindertagespflege besteht – insbesondere mit Schwerpunkt für die unter Dreijährigen – seitdem ausdrücklich als gleichrangiges Angebot neben dem Betreuungsangebot der Kindertageseinrichtungen.

Karen Eilmes-Walz.

Dass sich einiges geändert hat, kann auch Karen Eilmes-Walz, Leiterin der Kita in Voitze und Koordinatorin von Tagesmüttern in der Samtgemeinde Brome, bestätigen. „Der Bereich der Tagesmutter war seinerzeit eine Grauzone. Wer als Tagesmutter tätig war, musste sich nun Qualifizieren, sonst gab es keine finanziellen Zuschuss vom Landkreis Gifhorn“, erinnert sich Eilmes-Walz. Am Anfang sei die Welle sehr groß gewesen. In Meinersen habe es mal bis zu 32 Tagesmütter gegeben, das habe sich inzwischen halbiert. In der Samtgemeinde Brome gibt es derzeit zehn Tagesmütter und Kinderfrauen, die sich über die gesamte Samtgemeinde verteilen, zwei befinden sich gerade in der Qualifizierung.

Der Aufwand der Qualifizierung ist mittlerweile sehr hoch. „Eine Tagesmutter kann nicht jeder werden. Da muss auch eine Menge Herzblut mitspielen“, weiß die Koordinatorin. Die ersten Qualifikationskurse umfassten anfangs 80 Stunden, jetzt 160. Es gebe sogar Pilotprojekte – nicht im Kreis Gifhorn – die 300 Stunden umfassen. Im Gegensatz zu heute gab es in den Anfängen noch nicht einmal ein Zertifikat.

Der Unterschied zwischen einer Tagesmutter und einer Kinderfrau: Die erste betreut maximal fünf Kinder bei sich zu Hause, die zweite geht in die Haushalte. „Bei einer Kinderfrau muss von Anfang an eine große Vertrauensbasis vorhanden sein. Es mag auch nicht jeder ‘Fremde’ in die Privaträume lassen. Eine Kinderfrau hat überall Einblick“, erläutert Eilmes-Walz im Gespräch mit dem IK. In der Samtgemeinde ist eine Kinderfrau in einer Familie tätig, in der ein Kind gesundheitlich eingeschränkt ist und seinen häuslichen Rahmen benötige. Zudem sei auch die Mutter schwer krank, sodass der Vater das Kind nicht weggeben wollte.

Die Entscheidung für eine Tagesmutter wird laut Eilmes-Walz sehr bewusst getroffen. Als Vorteile bezeichnet die Kita-Leiterin die geringe Anzahl an Kindern in einer Gruppe, es gibt keine Randzeiten. Tagesmütter seien flexibler – ist Not am Mann, gibt es sogar eine Wochenendregelung. „Unsere Tagesmütter haben unterschiedliche Schwerpunkte beziehungsweise Konzepte. Die einen legen Wert auf Naturpädagogik, andere auf Tierhaltung. Die Entscheidung liegt bei den Eltern“, sagt Eilmes-Walz. Teilweise bringen Tagesmütter die Kinder in die Kita und holen sie zur weiteren Betreuung wieder ab.

Einen Tagesvater gibt es in der Samtgemeinde nicht. Generell sei in der Erziehungsbildung der männliche Anteil verschwindend gering. „Bis weit in die 80er-Jahre war das klassische Rollenbild doch politisch gewollt. Und das ist noch nicht so lange her. Die Einstellung ist noch in vielen Gesellschaftsschädeln drin“, bedauert Eilmes-Walz. Auch wenn sich die Situation gebessert habe, wünscht sich die Kita-Leiterin mehr Anerkennung für Tagesmütter. Der Spruch, ‘Tagesmutter kann doch jeder’ wird keiner Frau gerecht. Sprüche wie diese tun niemandem gut. Nicht ohne Grund – von der Bezahlung abgesehen – würde der sozialpädogische Sektor fachkräftemäßig am Boden liegen. Die Leidenschaft müsse überwiegen – das ziehe sich bei der Arbeit mit Menschen wie ein roter Faden durch.

Tagesmütter werden nach wie vor gesucht. Wer möchte, kann sich unter (05833) 84760 melden und sich beraten lassen.

Von Carola Hussak

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