Bodo Köllner und Gerhard Dehling restaurieren Duos aus DDR-Zeiten

Mobiles Dreirad aus Brome

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Das fertige Duo im orangen Lack: Sechs Monate haben die zwei Handwerker – Bodo Köllner (l.) und Gerhard Dehling – für die Aufarbeitung des Rollermobils gebraucht.

Brome – Vor der Simson Schwalbe in der Garage steht es, das dreirädrige Gegenstück des bekannten DDR-Rollers. Es hat eine Sitzbank und ein Dach. Der Motor ist an der Seite zu finden. Am Heck prangt der Schriftzug DUO 4/1.

Es ist ein Simson-Invalidenfahrzeug mit Moped-Kennzeichen.

Bodo Köllner und Gerhard Dehling aus Brome haben sich vor einigen Jahren an ein ganz besonderes Projekt gemacht – sie beide haben gleich zwei dieser Rollermobile aufgebaut. In der DDR wurden DUOs durch die örtliche Sozial- bzw. Krankenversicherungsanstalt (SVK) ausschließlich an körperbehinderte Personen verkauft. Die Fahrzeuge wurden weitgehend aus modifizierten Bauteilen der Simson Schwalbe hergestellt. Sie sind jedoch keine Simson-Produkte. Der eigentliche Hersteller, die „Krankenfahrzeugfabrik Krause“, wurde 1972 teilweise verstaatlicht und produzierte nur noch Fahrstühle ohne Motor. Im März 1991 endete die Produktion und ein Jahr später wurden die Produktionsanlagen von der Treuhand verkauft.

Für Dehling begann die Geschichte mit einem alten EMW Motorrad, das er kurz nach der Wende bei Bekannten gefunden hatte. Dehling und Köllner sind ein eingespieltes Team, auch wenn die Restaurierung dieses orangefarbenen Dreirades nur etwas über ein halbes Jahr gedauert hatte, so war die Arbeit nicht ganz ohne Schwierigkeiten. Zwar blieb die 6-Volt-Anlage erhalten, aber Elektriker Köllner musste alle Kabel neu verlegen und anpassen. Ebenso die Bowdenzüge, für die es eben so wenig Ersatz gab, wie beim Benzinhahn. „Ein Originaler ist nicht mehr zu bekommen. Wir haben ein ähnliches Modell verbaut.“ Dehling lacht und deutet auf das Blech. „Am schlimmsten waren die Schweißarbeiten. Der Rahmen vorne war gebrochen und auch das vordere Blech musste geschweißt werden.“ Hier half der ortsbekannte Kumpel Hörby, der Schweißer. Das Verdeck und die Sitzbank stammen aus Polen, wo sich eine Firma auf diese Art von Teilen spezialisiert hat. Neu ist auch der Lack, der im Ton dem originalen Simson-Lack von 1981 sehr ähnelt. Viele Nerven kostete auch die Überholung des Antriebs. „Der dritte Gang der Automatik wollte einfach nicht reingehen. Also habe ich mir Unterlagen aus dem Internet besorgt und die Technik ausgiebig studiert.“

Rollermobile auf deutschen Straßen sind längst eine Ausnahme-Erscheinung. Auch ist das Fahren mit Vorsicht zu genießen. „Der Fahrer sollte in der Mitte sitzen und nicht mehr als 45 km/h fahren“, meint Dehling. Auf die Frage, wieso sie so ein Invalidenfahrzeug durch den Nordkreis steuern, sagen sie einhellig: „Es ist der Spaß dabei. Die Leute schauen und sind begeistert. Es gab sogar welche, die wollten uns die Dinger auf der Straße sofort abkaufen.“

Das bastelfreudige Doppel aus Brome behält seine DDR-Rollermobile. Sie zeigen damit, dass es lohnt, etwas zu Ende zu bringen, Dinge nicht einfach wegzuschmeißen oder zu vergessen.

VON TOBIAS TANTIUS

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