Anke Willharms von der Aktion Fischotterschutz glaubt nicht an Umsetzung

„Lockerung des Biberschutzes ist absurd“

Die Lockerung des Biberschutzes macht für Anke Willharms keinen Sinn: Erst werden Schutzgebiete geschaffen und dann sollen dort Tiere geschossen werden? Foto: Archiv
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Die Lockerung des Biberschutzes macht für Anke Willharms keinen Sinn: Erst werden Schutzgebiete geschaffen und dann sollen dort Tiere geschossen werden?
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Brome. Den Biberschutz in ganz Deutschland lockern – diese Forderung stellt die brandenburgische CDU-Landtagsfraktion und verweist dabei auf Polen. Denn dort dürfe auch in Schutzgebieten in den Bestand eingegriffen werden, solange der Erhaltungsstand nicht gefährdet wird.

Das sieht in Deutschland anders aus. Hier gilt ein strengerer Schutz, weil der europäischen FFH-Richtlinie zufolge der Biber hier in einer strengeren Schutzklasse eingestuft ist.

Forderung ist "absurd"

Für absurd hält Anke Willharms von der Aktion Fischotterschutz diese Forderung: „Einerseits wird eine europaweite Biotopvernetzung zum Tier- und Pflanzenschutz geschaffen und gleichzeitig sollen dort Tiere geschossen werden?“ Letzteres würde nach Aussage der Biber-Expertin sowieso ins Leere gehen, denn die Natur belebt sich selber wieder. Soll heißen: Der Biberbestand nimmt an dieser Stelle nicht ab, sondern eher zu, wenn sich dort neue Biber ansiedeln und Familien gründen. Außerdem sei der Biber in Deutschland noch nicht überall so verbreitet, dass er in seinem Bestand nicht mehr als gefährdet eingestuft werden kann. Während die Population in Bayern höher ist und dort jährlich 1500 der Tiere geschossen werden dürfen, sieht das in Niedersachsen ganz anders aus. Von daher geht Willharms davon aus, dass der Biber weiter geschützt bleibt.

Richtet der Biber Schaden an, muss er weg – so denken viele. Den Frust, insbesondere der Landwirte, kann Willharms zum Teil nachvollziehen. Dennoch ist sie der Meinung: „Es gibt immer Lösungsmöglichkeiten.“ Landwirte könnten einen sogenannten Uferrandstreifen lassen, damit bei Überflutung die Ernte nicht gefährdet wird. Aber dagegen würden sie sich häufig sperren.

Biber-Management wäre wichtig

Als wichtig erachtet Willharms ein Biber-Management. Aufgabe sogenannter Biberberater ist es, Konflikte zwischen Land-, Forst- und Wasserwirtschaft und dem streng artengeschützten Biber im von beiden Seiten genutzten Lebens- und Wirtschaftsraum zu schlichten und für einen Interessensausgleich zu sorgen. „So hat man einen Ansprechpartner direkt vor Ort, aber in Niedersachsen gibt es kein Management. Es gab eine Anfrage an das Land Niedersachsen, aber die wurde abgelehnt, weil der Biberbestand noch zu klein war“, weiß die Biber-Expertin.

Ebenfalls wichtig seien laut Willharms Präventionsmaßnahmen. Neben den Uferrandstreifen nennt sie abgesenkte Dämme, so dass sich das Wasser erst gar nicht so hoch anstauen kann. An der Kleinen Aller würde es daher keine Probleme geben. Dass der Wasserpegel auch eingehalten werde, dafür sorgen der Aller-Ohre-Verband und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Gifhorn.

Biber sorgt für Nachhaltigkeit

Ob der Negativ-Nachrichten gibt es auch Positives über den Biber zu Berichten. Dort, wo der Biber heimisch ist, schafft er eine hohe Nachhaltigkeit. Spechte, Kraniche, Fledermäuse oder der Schwarzstorch siedeln sich wieder an. Ferner sorgt er für die Wasserreinhaltung – unter anderem durch die Ansiedlung neuer Pflanzen.

Biber fühlt sich in und um Brome wohl

In und um Brome fühlt sich der Biber sehr wohl. „Die ersten Nagespuren waren 2004 sichtbar und ein Jahr später wurde im Naturschutzgebiet Ohreaue mit dem Bau der ersten Burg angefangen. 2006 habe ich in Wendischbrome die erste große Burg entdeckt“, weiß Gerd Blanke, Biber-Experte beim Naturschutz Bromer Land. Die ersten Biber seien von der Elbe her über Steimke nach Brome gekommen. Insgesamt sechs Familien mit je vier bis fünf Jungtieren leben in einer Burg – unter anderem zwischen Brome und Steimke, am Mühlenteich oder am kleinen Ohresee. Sehr froh ist Blanke, dass schon seit Längerem keine Burg mehr zerstört oder ein Tier tot aufgefunden wurde.

Von Carola Hussak

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