1. az-online.de
  2. Isenhagener Land
  3. Brome

Rundgang durch das Camp Ehra-Lessien

Erstellt:

Von: Hilke Bentes

Kommentare

Das Flüchtlingscamp Ehra-Lessien im Winter.
Besichtigung in der Gemeinschaftsunterkunft in Ehra-Lessien: Mit dem Betreiberwechsel zeigt sich der Landkreis Gifhorn zufrieden, mit dem eigenen Personal sei man näher an den Bewohnern dran. © Hilke Bentes

Ehra-Lessien – Seit dem 1. Oktober ist der Landkreis Gifhorn selbst der Betreiber der Gemeinschaftsunterkunft in Ehra-Lessien (das IK berichtete). Viel hat sich aus Kreis-Sicht seitdem in der Unterkunft getan und die teilweise hochschlagenden Wogen geglättet. Derzeit werden auch noch einige Punkte weiterentwickelt. Bei einem Vor-Ort-Termin zog der Kreis jetzt ein positives Zwischenfazit.

Der Landkreis setzt seit gut zehn Wochen auf eigenes Personal. Weiterhin spielt aber auch die Verbindung mit dem Ehrenamt eine zentrale Rolle in der Wohnanlage. Durch die Verteilung der ukrainischen Geflüchteten und den Betreiber-Wechsel kann man nun durchatmen, so Landrat Tobias Heilmann. Der Trakt, der erst in diesem Jahr im Zuge des Ukraine-Krieges ertüchtigt wurde, konnte nun vorerst wieder freigezogen werden. 177 Menschen leben derzeit auf sechs Gebäude verteilt in der Unterkunft.

Insgesamt gibt es dort 15 bewohnbare Gebäude. Bei dem Vor-Ort-Besuch erinnerte Heilmann aber an die vor einigen Jahren getroffene Vereinbarung mit der Gemeinde Ehra-Lessien. „Da haben wir uns auf eine Grenze von 250 Menschen verständigt.“ Dass es in diesen Krisenzeiten nicht immer möglich war, diese Abmachung einzuhalten, das haben der Ukraine-Krieg und die schnell zu treffenden Entscheidungen gezeigt. Auch, was die Zukunft bringt, könne man jetzt noch nicht sagen. Trotzdem zeigten sich die Vertreter des Kreises froh, dass sich die Lage entspannt hat.

Positive Entwicklung in der Unterkunft

Vor einigen Wochen hatte es mächtig Kritik vonseiten der Anwohner gehagelt (das IK berichtete): Auch dabei habe nun der Betreiber-Wechsel geholfen, so Heilmann. Man habe an Punkten gearbeitet, außerdem gebe es nun die von der Gemeinde geforderten regelmäßigen Abstimmungen. Insgesamt mache die Unterkunft derzeit eine positive Entwicklung.

Die wohnliche Trennung von Männern, Frauen und Familien wird weiterhin konsequent beibehalten. Dazu hat der Kreis mit Blick auf seine vier Wohnanlagen bekanntlich Gewaltschutzkonzepten erarbeitet. So gibt es laut des Ersten Kreisrates Dr. Thomas Walter ein allgemeingültiges Konzept, was gewisse Standards in Meinersen, Gifhorn, Ehra-Lessien und Brome festsetzt. Aber jede Unterkunft hat auch ein personalisiertes Konzept. Walter sagte aber auch: Diese Anforderungen, die in den Konzepten festgesetzt sind, wurden natürlich auch unter dem alten Betreiber umgesetzt. Der TV-Beitrag, der im Frühjahr für viel Wirbel gesorgt hatte, habe vorhandene Dinge in ein falsches Licht gerückt. Anpassungen und Weiterentwicklungen habe es seitdem trotzdem gegeben.

Größere Familien haben derzeit die Möglichkeit, sich auf mehrere Zimmer in einem Gebäude zu verteilen. Unter den Bewohnern sind beispielsweise Menschen aus Afghanistan, Syrien, der Elfenbeinküste, Nigeria oder der Türkei. Noch sechs ukrainische Geflüchtete sind in Ehra-Lessien untergebracht, auch sie werden noch auf die Gebietseinheiten verteilt. Für sie gilt die Gemeinschaftsunterkunft vorrangig als Anlaufpunkt für die ersten Wochen in Deutschland. Da geht es auch um die Antragstellung beim Jobcenter und eine ärztliche Untersuchung.

Jetzt selbst als Betreiber zu agieren, sei laut Heilmann eine gute Entscheidung „Wir sind jetzt ganz nah mit unseren Leuten dran.“ Das Personal umfasst nun acht Vollzeitstellen. Neu ist zum Beispiel, dass sich derzeit eine Vollzeitstelle rein als Verwaltungskraft auf das Thema Schule konzentriert.

Viele Angebote und neue Projekte

Bei dem Vor-Ort-Termin stellten Heilmann, Walter und die kommissarische Leiterin der Unterkunft, Katharina Manthai, noch einmal die derzeitigen Angebote in Ehra-Lessien vor, davon sind viele allerdings nicht neu. Bei einem Rundgang gab es dazu Einblicke in Bereiche, in denen sich beispielsweise nur Frauen aufhalten und zu Gesprächskreisen treffen könne. Eine Nähstube wurde auf Wunsch der Bewohnerinnen eingerichtet, unweit davon gibt es ein Spielzimmer für die kleinen Bewohner. Dazu kann dort auch gemeinsam gekocht werden. Im Frühjahr startet dann das größere Gartenprojekt, auch diese Anregung kam es aus den Reihen der Frauen. Identisch zu dem Frauenbereich gibt es für die Männer einen Gesprächskreis mit unterschiedlichen Themenbereichen. Insgesamt gibt es für alle viele Vorträge, die auch von Polizei oder Feuerwehr unterstützt werden. In unterschiedlichsten Formen sollen die Menschen an das Leben in Deutschland herangeführt werden.

Sprachkurse, Kinderbetreuung und das Projekt „VOR-Schule“ werden weiterhin regelmäßig in der Unterkunft angeboten. Auch weibliches Sicherheitspersonal gehört zum Team. Einmal in der Woche kommt ein Gifhorner Mediziner für eine Sprechstunde in die Unterkunft, das Untersuchungszimmer gibt es seit Anfang des Jahres. Sein Besuch hilft auch für Apothekenrezepte, erinnerte Manthai. Die Fahrten mit dem Shuttle-Bus gibt es beispielsweise drei Mal die Woche zu festen Zeiten, um zu unterschiedlichen Supermärkten zu gelangen. Außerdem können Bewohner dank des Busses zu Fachärzten oder zu Behörden gefahren werden. Dolmetscher unterstützen in den unterschiedlichen Bereichen des Lebens. Und die reaktivierte Haltestelle an der Unterkunft hilft ebenfalls im Alltag der Bewohner.

Auch interessant

Kommentare