Quer durch Deutschland: Traudl und Eugen Treichel wandern mit ihren Tieren vom Bodensee nach Fehmarn

Auf dem Via Lama bis zur Küste und zurück

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Traudl und Eugen Treichl können sich auf ihre gutmütigen Lamas als Reisebegleiter völlig verlassen.

Brome. Man fährt nichtsahnend auf der leeren Landstraße durch eine Senke, und es tut sich ein Bild auf der Hügelkuppe auf, das nur scheinbar einer Fata Morgana entspringt:

Es nähern sich zwei Lamas bedächtigen Schrittes, voll bepackt mit Taschen, Schachteln und ähnlichen Behältnissen. Begleitet werden sie von einem Mann und einer Frau, die ebenfalls keine ungebührliche Hast an den Tag legen. Man hält an, ist neugierig und geht zu der Gruppe auf der anderen Straßenseite. Es sind Traudl und Eugen Treichl, die gern stoppen, um kurz zu berichten.

Vom Bodensee aus haben sie sich im März auf den Weg begeben, den sie „Via Lama“ nennen. Bis hinauf nach Fehmarn haben sie es geschafft, und jetzt sind sie auf dem Rückweg, den sie wohl im Juli vollenden. Wie man auf eine solche Idee kommt? Eugen Treichl lächelt. Er sei früher oft in den Alpen unterwegs gewesen und habe schließlich keine Lust mehr gehabt, den Rucksack zu schleppen. Da sei ihm die Idee mit dem Lama gekommen, die Touren wurden weiter und weiter, und jetzt sei man eben quer durch Deutschland unterwegs.

Ob sie denn immer gut aufgenommen wurden, möchte man wissen. Eugen Treichl: „Wenn die Menschen die Lamas sehen, gehen die Mundwinkel nach oben.“ Während die Tiere am Grabenrand rupfen und mampfen, schränkt Traudl Treichl nur wenig ein. Einmal, in Hitzacker, habe der Wirt der Jugendherberge sie nicht haben wollen. Dafür sei die Verwaltung des Archäologischen Zentrums spontan eingesprungen und habe eine Übernachtung im Langhaus des Museums ermöglicht. Sonst seien sie auf Campingplätzen, in Freibädern oder in den Herbergen stets willkommen gewesen. Die beiden berichten von einer Begegnung in Brome auf ihrer Etappe vom Waldbad Dähre dorthin:

„Wir wollten früh losgehen, aber da es um 6 Uhr noch regnete, drehten wir uns noch mal kurz um. Begleitet von kurzen und heftigen Regenschauern hielten wir uns eher an Radwege, weil die Waldwanderweg wegen des Regens schlecht zu begehen waren.“ Auch die Mücken- und Bremsenplage der Vortage war ihnen eine Lehre. Da sie telefonisch mit den Zimmervermietern keine gute Erfahrung gemacht hatten, fragten sie einen Nordicwalker, der mit seinem Hund unterwegs war, ob er wisse wo sie übernachten könnten. „Spontan bot er uns für die Tiere seinen Garten und für uns eine leerstehende Wohnung an. Abends hatten wir noch eine nette Unterhaltung mit ihm. Wir möchten uns noch einmal bei Andreas Cecon für seine Gastfreundschaft bedanken.“

Von Brome ging es weiter nach Velpke, Mariental, Schöningen, Hornburg, Ilsenburg hinauf zum Brocken. Dort stellten sie fest, dass es kein freies Zimmer gab. Sie wichen dem touristischen Treiben aus und stiegen zu einer Schutzhütte hinab. Kurz bevor sie die erreichten, erwischte sie ein Gewitter mit Regen und Hagel, sodass sie ihre treuen Lamas rasch unter ein Dach bringen mussten. Eine so lange Tour auf Schusters Rappen ist und bleibt ein Abenteuer, wie die Beiden erklären.

Von Horst Michalzik

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