Samtgemeinde Brome: Sieben Wochen vor Bundestagswahl fehlen noch Freiwillige

Kuriose Ausreden von Wahlhelfern

Die Samtgemeinde Brome sucht nach Wahlhelfern. Am 22. September ist Bundestagswahl und da sollten 136 Personen in 17 Wahlbezirken aufgeteilt werden. Foto: dpa

Brome. Die Vorbereitungen auf die Bundestagswahl im September laufen in der Bromer Samtgemeindeverwaltung auf Hochtouren. Für Verwaltungsmitarbeiter Norbert Wilhein und seine Kollegen Andreas Klopp und Klaus Hackbarth hat die Suche nach Wahlhelfern derzeit höchste Priorität.

Erste Vorarbeiten, so Wilhein, hätten eigentlich die Parteien in den gemeindlichen Gremien zu leisten. „Sie müssten die Ortsvorstände anschreiben, dass sie Personen benennen und diese auch ansprechen. Die Resonanz ist aber eher mau. Häufig passiert es auch, dass die Personen gar nicht wissen, dass sie vorgeschlagen wurden“, weiß Wilhein. Bereits vor den Sommerferien wurden 136 Berufungsschreiben versandt – 62 Rückläufe sind bisher eingegangen. „Davon sind 52 Absagen, die wieder neu berufen werden müssen“, beklagt der Verwaltungsmitarbeiter. Die Ausreden seien kurios. Die Hälfte der Leute würde angeben, verreist zu sein. „Es wäre zwar erlaubt, das zu überprüfen, aber der Aufwand ist einfach zu hoch, da berufe ich lieber neu“, weiß Wilhein.

Gibt es keine Rückmeldung, schreibt Wilhein die betreffenden Personen an. Kommt wieder keine Reaktion folgt ein Telefonat. „Es ist schon vorgekommen, dass ich bis 21.30 Uhr telefoniert habe.“ Notfalls gehe er auch von Haus zu Haus und frage nach. Auch hier seien die Leute in Sachen Ausrede nicht verlegen: Viele wissen nicht, ob sie Zeit haben. Andere wollen im Urlaub Rücksprache mit der Familie halten, andere hätten das Anschreiben gar nicht erst in der Post bemerkt – und das, obwohl der Brief mit einem Stempel der Samtgemeinde versehen ist und deutlich als behördliches Schreiben zu erkennen ist. „Wer sich nicht zurückmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die bestraft werden kann“, macht Wilhein deutlich.

„In der Vergangenheit haben wir es immer geschafft, genügend Wahlhelfer zu bekommen“, freut sich Wilhein. Und die sind von 8 bis 18 Uhr im Einsatz. Minimum vier Leute wolle man haben, damit jeweils zwei in zwei Schichten arbeiten können. „Wären es nur zwei, dürfte keiner von beiden von 8 bis 18 Uhr den Wahlraum verlassen, damit keine Wahltäuschung vorgeworfen werden kann“, informiert Wilhein. Selbst ein Toilettengang wäre dann ausgeschlossen.

Und wie wird man bei den Personen fündig? Wilhein: „Mir liegen die Adressen vor. Ich suche mir dann nach Straßenzügen die Wahlberechtigten aus. Ich versuche nicht immer die Gleichen zu nehmen.“ Viele würden fragen, wie man ausgerechnet auf sie gekommen sei. Wilhein hätte auch schon den Vorschlag erhalten, nach dem Alphabet auszusuchen, aber auch dies sei schwierig.

Familien mit kleinen Kindern oder Studenten schreibt Wilhein gar nicht erst an. Um so bedauerlicher findet Wilhein, dass er einer 17-Jährigen, die sich freiwillig gemeldet hatte, absagen musste. Sie könne sich nächstes Jahr zur Europawahl melden.

Am Wahlsonntag selbst teilen sich Wilhein, Klopp und Hackbarth die Arbeitszeit untereinander auf. Die Organisation bleibe immer die gleiche: Wahlbezirke festlegen, Wahllokale angeben und so weiter. Und ein Motto hat Wilhein: Nach der Wahl ist vor der Wahl!

Von Carola Hussak

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