Sybille Schnehage sieht einige Fragezeichen bei Integration / Bergfelderin hält Hilfe in Afghanistan für sinnvoller

Kultur nicht umkrempelbar wie ein T-Shirt

Hilfe zur Selbsthilfe lautet die Devise des Hilfsvereins Katachel. Seit Jahren werden junge Frauen in Kunduz zur Schneiderin ausgebildet, um für sich selbst sorgen zu können.
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Hilfe zur Selbsthilfe lautet die Devise des Hilfsvereins Katachel. Seit Jahren werden junge Frauen in Kunduz zur Schneiderin ausgebildet, um für sich selbst sorgen zu können.
  • Carola Hussak
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Bergfeld. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Medien nicht über einen Anschlag in Afghanistan berichten. Das Land kommt nicht zur Ruhe, erst Recht nicht die ländliche Bevölkerung, deren Lage sich auch immer mehr zuspitzt. Es mangelt an Arbeit, Geld und Verpflegung.

Sybille Schnehage

Sybille Schnehage, Vorsitzende des Hilfsvereins Katachel, telefoniert mehrmals täglich mit ihren Mitarbeitern in Kunduz. Sie kennt die Lage der Menschen nur zu gut. Seit mehr als 20 Jahren setzt sie sich mit ihrem Verein dafür ein, dass es den Menschen vor Ort besser geht. Dass sich die Männer in Afghanistan den Taliban anschließen, liegt ihrer Meinung einzig und allein daran, dass es keine Arbeit gibt. Kein Mensch, so Schnehage, sei von Grund auf schlecht. „Jede Familie versucht, Freunde bei der Regierung zu haben und bei den Taliban, um immer auf der richtigen Seite zu sein“, so die Bergfelderin.

Der Verein Katachel ist mittlerweile so gut wie die einzige private Hilfsorganisation, die in dem von Krieg gebeutelten Land tätig ist. „Alle haben sich gefreut, als kürzlich der IS in Mossul besiegt wurde. Aber dort leben Menschen, Kinder, deren Lage sich in drei Monaten keineswegs verbessern wird. Daher betone ich immer wieder: Es muss vor Ort Arbeit geschaffen werden“, ist Schnehage überzeugt. Daher wünscht sie sich auch, dass Politik und Organisationen viel mehr miteinander sprechen, wie man wirklich Frieden schaffen kann. Schnehage: „Ich habe oft versucht, mit der Bundesregierung zu sprechen, aber da werden natürlich keine Tipps angenommen.“

Dass Afghanen die Möglichkeit nutzen und nach Deutschland flüchten, kann die Vereinsvorsitzende durchaus verstehen. „Aber die Menschen, die hierher kommen, sind einfach nur unglücklich. Diese Menschen haben ganz einfach andere Werte und Normen. Die eigene Kultur kann man nicht einfach umkrempeln wie ein T-Shirt“, weiß Schnehage.

Wenn Integration, dann aber auch richtig, ist sie überzeugt. Und dazu gehöre es auch, dass Frauen in Deutschland leben dürfen, wie sie wollen und nicht von ihren Männern in der Wohnung versteckt werden. Schnehage spricht von einer „Parallel-Welt“, die einfach nicht funktionieren könne. „Und natürlich versuchen die Männer alles, um Asyl zu bekommen. Ich weiß von Fällen, da nehmen die Männer den christlichen Glauben an, nur um in Deutschland aufgenommen zu werden. Alles nur zum Schein – und die Kirche spielt da auch noch mit“, moniert Schnehage. Sie kritisiert auch Clanstrukturen, die teilweise noch unter Migranten vorherrschten, mit Haltungen, die sich gegen ein freiheitliches Leben richten.

Die Bergfelderin ist verzweifelt, weil ihrer Meinung nach vor Ort nicht genug für die Menschen getan wird, und weil die Menschen, die nach Deutschland flüchten, nicht das bekommen, was sie sich erhoffen und teilweise erwarten. Daher setzt die Bergfelderin alles daran, den Menschen in Afghanistan ein Ausbildung zu ermöglichen, indem sie mit Hilfe von Spenden Schulen baut und jungen Frauen eine Nähausbildung bietet, damit sie für sich selber sorgen können. Ihr jüngstes Projekt dort ist der Bau einer Speiseölfabrik (das IK berichtete mehrfach).

Von Carola Hussak

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