LBU wirft IHK Egoismus vor und fordert erneute Prüfung der A 39-Pläne

Klage wegen Eigenjagd bei Ehra

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Das Ringen um die A 39 geht weiter: Umweltschützer stellen Motive der IHK infrage. Deren Mitglieder sind weiter mit großer Mehrheit für den Autobahnbau.

Ehra-Lessien – Ärger um Jagd bei Ehra: Der Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen (LBU) wirft dem ehemaligen Chef der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHK) egoistische Motive in Hinsicht auf den geplanten Bau der A 39 vor.

Grund dafür ist die Klage des Spediteurs und Ex-IHK-Chefs Bernd Hansmann gegen die A 39, da die geplante Trasse seine Eigenjagd bei Ehra durchschneide. Der LBU sieht darin die Bestätigung, „dass die A 39-Planung vor allem auf die egoistischen Lobby-Interessen einiger Groß-Spediteure und -Bauunternehmer an der Spitze der IHK zurückgeht.“ Die jetzige Klage Hansmanns zeige, wie wenig ernsthaft das Gerede von den angeblichen A 39-Vorteilen für die Region gewesen sei.

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Die IHK Lüneburg-Wolfsburg setzt sich seit Jahrzehnten für den Lückenschluss der A 39 ein und ist dafür durch zahlreiche Vollversammlungsbeschlüsse legitimiert.“ Der Einsatz der IHK für die A 39 entspräche daher dem Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft und nicht bloßen Einzelinteressen. „Diese Beschlüsse wurden stets einstimmig oder mit wenigen Gegenstimmen gefasst“, betont Zeinert.

Die Vollversammlung der IHK bezeichnet sich als das „Parlament der Wirtschaft“ und dessen 100 Mitglieder hätten eine klare Haltung pro A 39. Zudem verweist die IHK auf eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der IHK von 2015. Die habe gezeigt, dass 70 Prozent der Bevölkerung den Lückenschluss der A 39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg befürworten würden.

Bernd Hansmann selbst hat sich gegenüber dem IK nicht geäußert. Medienberichten zufolge ist er aber trotz der Klage gegen die geplante Trasse, die seine Jagd durchschneide, ein klarer Befürworter des Autobahnbaus. Mittlerweile sei auch die Klage, die Ende Oktober vor dem Bundesgericht verhandelt wurde, vom Tisch. Demnach erhält Hansmann ein neues Jagdrevier.

Der LBU fordert dennoch eine Neuberechnung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses der A 39. Infolge der massiven Steigerung der Baukosten und durch den Ausbau der parallelen Nord-Süd-Verbindungen (A 7, A 14 und B 4) würde eine Neuberechnung die „volkswirtschaftliche Unrentabilität und regionale Schädlichkeit“ der A 39 beweisen, meint der Verband. In „Zeiten der Klima-Krise und der anstehenden Verkehrswende“ werde die A 39 auch politisch noch weiter unter Druck geraten.

VON DENNIS TESCH

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