„Alles tun, um die Bürger zu schützen“ / Druck auf Hannover soll erhöht werden

Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS): Infoabend in Parsau

+
Den Schlachtplan gegen den Eichenprozessionsspinner stellte Jörg Stracke auf detaillierten Karten vor.

Parsau – Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS) geht in die nächste Runde. Die vom Landkreis eingesetzte Arbeitsgruppe (das IK berichtete mehrfach) informierte am Montagabend im Parsauer Bürgerzentrum alle Interessierten über die Vorgehensweise.

Dr. Andreas Ebel, Landrat

Parsaus Bürgermeisterin Kerstin Keil stellte in ihrer Begrüßung der zahlreich erschienen Bürger fest: „Das Thema ist nicht im Winterschlaf.“ Das galt besonders für die Arbeitsgruppe. Laut Landrat Dr. Andreas Ebel haben sich die Vertreter von Kreis, Straßenbauämtern, Forsten, Landwirten, Naturschützern und mehr seit der letzten Veranstaltung zehn mal zusammengesetzt und einen Schlachtplan gegen die gefährlichen Raupen entwickelt – mit „hervorragenden Ergebnissen“, so Ebel.

Schon im letzten Jahr habe alleine der Landkreis Gifhorn 130.000 Euro investiert, 1,6 Tonnen der Raupen wurden abgesaugt. In diesem Jahr geht es weiter.

Der Schlachtplan steht

„Wir werden alles tun, um die Bürger zu schützen“, sagte Ebel. Der Kampf werde am Boden, aber auch aus der Luft geführt: ein großflächiges Besprühen mit Helikoptern sei angedacht. Das wurde mit großem Beifall belohnt. Der EPS wird auf insgesamt rund 400 Hektar und an 1.900 Einzelbäumen bekämpft. Dabei wird mit einem Bakterium gesprüht, das zwar alle Schmetterlingsraupen angreift, aber Pflanzen und andere Tieren nicht schade. Wo ein „Luftkampf“ nicht möglich ist, wird vom Boden aus gesprüht, verbleibende Nester werden abgesaugt.

Jörg Stracke vom Ingenieurbüro Macke zeigte auf detaillierten Karten, wo wie gearbeitet wird. „Wir wollen so transparent, wirtschaftlich und effektiv wie möglich vorgehen“, sagte er. Das Vorgehen sei vom Landkreis abgesegnet und mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen. So könne ab Mitte Mai mit dem Sprühen begonnen werden, im Juni mit dem Absaugen. Damit sei der Kampf aber nicht gewonnen. „Das wird in einem Jahr nicht bewältigt sein, wir müssen über Jahre dranbleiben.“

Niedersachsen enttäuscht sehr

Einen weiteren Dämpfer musste Ebel verkünden: „Das Land ist nur auf Rückzug, wir haben nicht eine Zusage bekommen.“ Die Bedenken der Bürger habe man im letzten Jahr aufgenommen und gebündelt an das Land gesendet. Gespräche mit Umweltminister Olaf Lies und Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast seien zwar vielversprechend gewesen, aber letztendlich „für mich, für uns alle sehr, sehr enttäuschend“, berichtet Ebel. Daher handele man jetzt unabhängig vom Land, um die Bevölkerung zu schützen. Ebel hofft aber, dass man noch zu einer Einsicht kommt und sich beteiligt. Lies war für eine Stellungnahme kurzfristig nicht zu erreichen.

Druck ausüben

„Wir haben alles getan, was wir konnten“, sagte der Landrat. Wenn man zwei Minister nicht beim Wort nehmen könne, sei er mit seinem Latein am Ende. Da helfe nur noch Druck machen. Rühens Bürgermeister Karl Urban lud auch die Bürger dazu ein: „Wenn es nötig ist, fahren wir mit Bussen vor den Landtag.“ Auch Bromes Bürgermeister Gerhard Borchert plädierte für politischen Druck und schlug vor, Briefe zu schreiben und die Situation zu schildern. Dabei müssten aber alle Bürger an einem Strang ziehen.

VON DENNIS TESCH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare