Experte Denis Ekarius zeigt Alternative zum teuren Absaugen

Kaiserwinkel: Neue Methode im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

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Kevin Speichert vom Baumdienst Ekarius behandelt ein EPS-Nest mit „EPS Solve“. Die neue Methode, die nur mit heißem Wasser arbeitet, soll das gefährlichere und zeitaufwendigere Absaugen ersetzen. 

Kaiserwinkel – Die Besprühung aus der Luft hat die Population des Eichenprozessionsspinners (EPS) im Landkreis Gifhorn stark eingedämmt (das IK berichtete mehrfach). Dennoch müssen weiterhin Nester der gefährlichen Raupen mechanisch von Bäumen entfernt werden.

Baumpfleger Denis Ekarius und sein Team stellten nun eine vielversprechende Alternative zum Absaugen vor: die Methode „EPS Solve“.

Der Baumprofi hatte dazu Vertreter aus der Politik geladen, aber auch überregionale Fernsehteams sahen sich die Innovation in der Praxis an. Zudem war Prof. Dr. Wolfgang Rohe, Experte für invasive Arten von der Universität Göttingen, vor Ort. Mit ihm arbeitet Ekarius seit anderthalb Jahren zusammen. Für die Entwicklung der neuen Methode und der entsprechenden Gerätschaften zur Nestentfernung habe man ein halbes Jahr gebraucht.

Absaugen: lange nah am Nest

Zum Vergleich stellte Ekarius’ Mitarbeiter Kevin Speichert zunächst die herkömmliche Methode vor. Mit gleich zwei Lagen aus Schutzanzügen, abgeklebten (Hand-) Schuhen, Atemschutz und Gebläse begab er sich mittels Hebebühne direkt an ein EPS-Nest an einem befallenen Baum bei Kaiserwinkel und begann mit dem Absaugen. „Er muss nah ran“, erklärte Ekarius vom Boden aus. „Die Nester sind zu groß, er muss mit dem Sauger herumstochern, das Nest zerteilen.“ Außerdem verstopfte der Sauger immer wieder. „Das kostet Zeit“, weiß Ekarius. Geld hingegen kosten die aufwendig zu entsorgenden Staubsaugerbeutel.

Hitze zerstört die Eiweiße

Die eingesetzte Hitze kocht die EPS-Nester ab, danach sind sie ungefährlich.

Die neue Methode hingegen arbeitet mit 97 Grad heißem Wasser. Aus der von Ekarius „Lanze“ genannten Düse wird das Nest besprüht. „Die Hitze zerstört die Eiweißstrukturen“, erklärte er. Nach kürzester Zeit sei die Gefahr gebannt. Mit höherem Druck – ein Handgriff an der Düse – wird das Nest vom Baum gespült. „Wie mit dem Kärcher zuhause“, sagte Ekarius. Das Ergebnis hält er zum Entsetzen der Anwesenden in den Händen: ein losgelöstes EPS-Nest. „Sie sehen“, entwarnt Ekarius, „keine Pusteln, nichts juckt.“ Das Nest sei durch die Hitze deaktiviert, das gelte auch für alle Brennhaare, die sonst kilometerweit fliegen können.

Beim Einsatz der Schaumvariante von EPS Solve braucht Speichert nicht mal einen Schutzanzug.

Eine andere Variante setzt Schaum ein. Bei dieser arbeitet man ganz ohne Schutzanzug, besprüht den Baum großflächig. Der Schaum isoliere, halte also die Hitze länger und erreiche auch Raupen außerhalb des Nestes. Die Anwesenden zeigten sich beeindruckt. Laut Kreisrat Mirco Schmidt stellt die neue Methode eine „tolle Alternative zum Absaugen dar.“ Die großflächige Behandlung auch aus der Luft ersetze sie aber nicht. „An viele Bäume kommt man vom Boden aus gar nicht heran.“

Manuela Peckmann und Karl Urban begutachten ein behandeltes und deaktiviertes EPS-Nest.

Rühens Bürgermeister Karl Urban überzeugten vor allem die Geschwindigkeit und der geringe Materialeinsatz. „So einfach, aber da muss man erstmal draufkommen“, sagte er. Wie auch Samtgemeindebürgermeisterin Manuela Peckmann und Parsaus Bürgermeisterin Kerstin Keil sieht er in der neuen Methode auch eine finanzielle Entlastung der Gemeinden.

VON DENNIS TESCH

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