Podcast ruft Diskussion ins Leben

Interesse statt Politikverdrossenheit bei Parsaus Jugend

Bürgermeistersprechstunde der besonderen Art
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Luc Grobauer (rechts) hatte mit seinem Politikinteresse den Ball in Parsau ins Rollen gebracht.
  • Hilke Bentes
    VonHilke Bentes
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Was eine einzelne Podcast-Folge alles bewegen kann – das stellten alle Betroffenen nun in Parsau fest.

Parsau – Mehrere Folgen haben Marleen Schubert und Fabian Dürkop vom Parsauer Jugendtreff zusammen mit Jugendlichen gedreht und dabei über Dinge gesprochen, die sie in der heutigen Zeit so bewegen (das IK berichtete). Mit dem Podcast „Verrückt und introvertiert“ wollen die beiden den jungen Menschen aus der Gemeinde eine Stimme geben. Und die Stimme von Luc Grobauer (15), der anlässlich der jüngsten Folge über das Dorfleben und seine Sicht auf die Politik sprach, war ziemlich laut, mutig und spannend: Denn Luc will später einmal selbst Bürgermeister werden.

Und aus diesem Grund hat der Parsauer zusammen mit den beiden Initiatoren gesprochen: Der 15-jährige Gymnasiast berichtete über das Leben im Dorf – über Vorurteile, fehlendes Grüßen auf der heimischen Straße und über die gedrehte Kirche in Parsau. Auch über seinen Wunsch, später einmal Bürgermeister zu werden. Weil „einige Dinge ja schon falsch gelaufen sind“, berichtete Luc in der 34 Minuten langen Folge. Auch die immer noch fehlende Turnhalle, den gewünschten Supermarkt und die für ihn fehlende, politische Transparenz sprach er an. „Man versteht als Außenstehender ja nicht, wieso Dinge dann nicht umgesetzt werden.“ Das Interesse an der Politik in Parsau ist für den 15-Jährigen zukunftsweisend: Etwas tun, etwas bewegen. Luc berichtete auch über die Gespräche im Dorf, die er mitbekommt: „Einige Entscheidungen werden von den Einwohnern sehr kritisiert.“

Der Parsauer hatte zusammen mit Schubert und Dürkop debattiert, diskutiert und Fragen in den Raum geworfen. Und die Folge kam nicht nur bei den gleichaltrigen Zuhörern gut an. Sogleich bot Tiddisches Bürgermeister Wieland Bartels an, den Parsauer Schüler in den nahenden Sommerferien für einen Tag in seinen Bürgermeister-Alltag mitzunehmen. Und Parsaus Bürgermeisterin Kerstin Keil nutzte das Interesse aus den jugendlichen Reihen, um nun eine Bürgermeistersprechstunde mit einigen Jungen und Mädchen zu veranstalten.

Diese Sprechstunde der besonderen Art wurde nun in die Tat umgesetzt. Luc und weitere Jugendliche aus der Gemeinde Parsau hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen – und die Bürgermeisterin versuchte Antworten zu geben: Über eine Stunde berichtete Keil über den Ablauf von Bauprojekten, über den Sachstand der Parsauer Turnhalle („So weit wie jetzt waren wir noch nie“) und über gescheiterte Projekte, die „aber nicht immer in unserer Hand lagen.“

Die Bürgermeisterin erinnerte die Jugendlichen auch daran, dass sie ihre Wünsche und Anliegen an den Rat herantragen sollten. „Kommt gerne zu uns ins Gemeindebüro, stellt Anträge, kommt zu Ratssitzungen.“ Sie würde sich freuen, sollte sich der Austausch intensivieren. Eine komplette Ratsmitarbeit sei aber aufgrund vieler datenschutzrelevanter Thematiken schwierig. „Aber wir können ein solches Treffen gerne einmal im Monat festigen.“

Viele Fragen, die der 15-jährige Luc in der Podcast-Folge gestellt hatte, fanden Antwort. „Ich glaube, ich habe heute viel Neues gelernt“, resümierte der Schüler. „Viele Dinge wusste ich einfach nicht, oder wurden mir von anderen falsch erzählt.“ Er verwies auf den Schulunterricht: „Da lernt man diese Dinge ja auch nicht.“ Luc will die Politik in Parsau weiter beobachten, sich einbringen und Ratsluft schnuppern. Und weil er noch vor der Kommunalwahl 16 Jahre alt wird, will er im September auch wählen gehen.

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