Ehra-Lessien: Bürgermeisterin Jenny Reissig setzt sich für frühzeitige Flüchtlingshilfe ein

„Integration beginnt bereits im Camp“

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Für Ehra-Lessiens Bürgermeisterin beginnt Integration bereits im Flüchtlingscamp. Patenschaften sind immer willkommen.

Ehra-Lessien. Bürger und Vereine aus Ehra-Lessien engagieren sich nicht nur aktiv in der Flüchtlingshilfe, sondern zeigen sich auch sehr spendabel.

Wie Bürgermeisterin Jenny Reissig berichtet, seien bereits 13 000 Euro in die Flüchtlingsarbeit – Sprachbegleitung oder Arbeitsmaterialien – geflossen. In der Begegnungsstätte Mosaik gebe es sogar Bücher in verschiedenen Sprachen. „Dort gehen die Menschen offen aufeinander zu“, freut sich Reissig.

Hemmschwellen abbauen und sich gegenseitig kennenlernen sind für die Bürgermeisterin wichtige Punkte, denn so würden Ehra-Lessiener auch Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen und helfen, wenn sie aus dem Camp in eine eigene Wohnung ziehen.

Hilfe ist unerlässlich. Laut Reissig könne man die Flüchtlinge nicht im Camp „parken“ und erst dann mit dem Umzug in die eigene Wohnung integrieren. Reissig verfolgt einen anderen Ansatz. Ihrer Meinung nach muss die Integration bereits im Camp passieren. „An erster Stelle steht für die Flüchtlinge, die deutsche Sprache zu erlernen – das muss sichergestellt sein, und zwar nicht nur für Bleiberechtler“, ist die Bürgermeisterin überzeugt. Auch wer nicht bleiben darf, sollte Deutsch lernen. Nur so würden die Menschen geistig gefordert, nur so könne man ihnen „unsere“ Werte und Normen vermitteln, sodass sie unsere Lebensweise verstehen könnten. „So können sie Abläufe, die sie hier kennenlernen, mitnehmen und ihr eigenes Land voranbringen“, ist Reissig überzeugt.

Ebenfalls als wichtig erachtet Reissig eine Kooperation zwischen Bund, Land, Kreis, Samtgemeinden und Ehrenamtlichen. Hier müsse eine Partnerschaft entstehen, um Dinge voranzubringen. Die Bürgermeisterin denkt dabei an die Einrichtung von Schulen im Camp, die von Erwachsenen und Kindern besucht werden. So würde Kindern der Besuch einer Schule erleichtert.

Ideen für eine schnellere berufliche Integration hat die Bürgermeisterin auch: „Die Menschen im Camp wollen was zu tun haben. Im Camp werden viele Berufszweige angeboten – Waldarbeit, Verwaltung, Catering, Krankenhaus. Es gibt viele Berufsfelder, wo Flüchtlinge in Projekte hineinschnuppern können.“ So würde man die Menschen, wenn sie in die Kommunen kommen, sozial auffangen. Reissig ist überzeugt, dass sich die Menschen so besser vom Arbeitsamt vermitteln lassen. Kontakte seien ja schon geknüpft worden. Und auch so könne wieder Geld gespart werden.

Die Menschen im Camp einfach zusammenzupferchen sei für die Bürgermeisterin der falsche Weg. „Wenn man sich erst um die Menschen kümmert, wenn sie in ihre eigene Wohnung ziehen, ist es zu spät. Schlimmstenfalls bekommen sie Depressionen.“

Von Carola Hussak

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