Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen verabschiedet Gäste aus Tschernobyl

Immer weniger Familien melden sich

+
Es ist seit Jahren Brauch, dass der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen die Gäste aus Weißrussland in Brome verabschiedet.

mi Brome. Abschiednehmen hieß es am Montag für eine Delegation aus Weißrussland, die vier Wochen lang in Familien des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen zu Gast waren.

In Ehra, Vorhop, Knesebeck und Wittingen hatten fünf Mütter und eine Betreuerin aus dem von der Tschernobyl-Katastrophe betroffenen Ort Narowlja im wahrsten Sinne einmal durchatmen können. Die Folgen des Reaktorunglücks sind immer noch dramatisch, und besonders betroffen sind die Kinder.

An den schwierigen Lebensumständen und der Belastung der Umwelt hat sich nicht viel verbessert. Der Organisator des Aufenthaltes, Kirchenkreissozialarbeiter Frank Breust in der Dienststelle Wittingen des Diakonischen Werkes, betont dann auch im IK-Gespräch: „Der Aufenthalt dieser Kinder ist weiterhin dringend notwendig. Doch das steht und fällt mit den Gastfamilien, von denen sich in diesem Jahr nur sechs bereitgefunden haben.“ Die schrecklichen Ereignisse im April 1986 seien für viele junge Familien Geschichte. Was einst die Welt erschütterte, scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Dabei seien für den Aufenthalt der Kinder aus dem Sorgengebiet alle Voraussetzungen geschaffen. Die Kinder kämen nicht mehr allein, sondern würden von einem Elternteil begleitet. Haftpflichtversicherungen seien garantiert, und ein Taschengeld gebe es obendrein. Viele Ehrenamtliche stünden bereit, um etwas mit den Gästen zu unternehmen, holten die Kinder beispielsweise in den Familien ab, um Ausflüge zu unternehmen, egal wo sie wohnen. Breust: „Für uns ist es einerlei, ob wir einen Ausflug für fünf oder für 30 Teilnehmer organisieren.“

Breust appelliert an alle Familien, einmal darüber nachzudenken, ob sie sich als Gastgeber sozial engagieren wollen. Die Unannehmlichkeiten zusätzlicher Menschen im Haushalt würden durch die neuen Kontakte und die Freundlichkeit der Gäste mehr als wettgemacht. Von dieser Erfahrung berichteten auch die Eltern während der kleinen Abschiedsfeier in der Bromer Kirchengemeinde. So angenehm waren die Kontakte, dass einige Gäste im nächsten Jahr zu den Gasteltern zurückkehren werden.

Für eine gute Zahl hält Frank Breust etwa 15 Kinder in Begleitung, die anreisen. Dafür müsse aber der Trend gestoppt werden, dass sich immer weniger Gasteltern für diese menschliche Aktion bereiterklärten. Bis zum Jahresende braucht Frank Breust die Anmeldungen, damit er die notwendigen Schritte in die Wege leiten kann. Anmeldungen werden in der Dienststelle Wittingen des Diakonischen Werkes unter (05831) 8453 entgegengenommen. Vor allem auch junge Familien mit Kindern im Alter der Besucher sollten sich angesprochen fühlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare