Beim Parsauer Heiratsmarkt wird mal wieder alles nicht so ernst genommen

Hochzeit für 24 Stunden

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Wilde Party gab es neben den Eheschließungen ebenfalls.

Parsau. „Man sieht vor allem am späten Abend nur fröhliche Gesichter“, stellte Hans-Heinrich Bartels fest.

Der Standesbeamte, der bis letztes Jahr die Standesbeamten des Parsauer Heiratsmarktes 25 Jahre lange geführt hatte, bevor er von Rüdiger Kraul abgelöst wurde, war am Samstagabend wieder im Dienst. Und strahlen soll man ja auch, wenn es um die Hochzeit geht. Vielleicht macht es die Tatsache, dass die Parsauer Ehe lediglich für 24 Stunden gilt, auch ein wenig einfacher.

Der Standesbeamte Burkhard Krome traute Vivien Schröder und Sören Klein (Mitte).

Denn viele der Heiratswilligen am Samstag fanden es „lustig“ und dachten nicht an eine langfristige Bindung. Auch Doppelhochzeiten gab es in der alten Scheune. „Erst heiraten wir, und unsere Freunde sind die Trauzeugen, dann heiraten die beiden und wir sind die Traumzeugen“, bekannte Elisa Lieber. Sie war weitgereist und kam aus Köln. Ihr Freund Peter Schillings – auch im wirklichen Leben ihr Freund und wenn es weiter gut geht, auch langfristig für die richtige Hochzeit vorgesehen – kam aus Neuss. Sie hatten den Weg ins Bromer Land durch ihre Freundin und Trauzeugin Maylin Werner aus Voitze gefunden, die ihren Schweizer Freund Joel Huber – ebenfalls nach derzeitigem Stand ihr Heiratskandidat im echten Leben – im Anschluss heiratete. Die beiden Damen hatten sich in Amerika kennengelernt.

Aber es gab auch die eindeutigen Kurzehen. Vivien Schröder aus Hoitlingen und Sören Klein aus Tülau heirateten, „weil wir beste Freunde sind“. Eine Beziehung schließt das offensichtlich aus. Miriam Lange und Leonie Helmich aus Brechtorf machten es wie das Deutsch-Schweizer und das Köln-Neusser Pärchen. „Doppelhochzeit, wie romantisch“, sagte Miriam. Sie ging eine gleichgeschlechtliche Ehe mit ihrer Freundin ein, ohne im richtigen Leben dieselben Ambitionen zu haben. Lennart Leifert und Jule Strebe waren zunächst ihre Trauzeugen, dann wechselten die Paare die Funktion.

Ein neues Zelt für die Standesbeamten hatte für ein anderes Ambiente gesorgt, sagte Bartels. „Es wirkt ein wenig offener.“ Und er stellte einen Trend fest, bei konstanter Hochzeitszahl und konstant rund 10 bis 15 Prozent Homoehen: dass sich „die Hochzeiten immer weiter nach hinten verschieben“. Damit meinte er die Uhrzeit. Während früher bereits ab 21 Uhr kräftig geheiratet wurde, beginnt nun die heiße Phase erst gegen 1 Uhr nachts.

Ein Grund, dass erst spät geheiratet wurde, war auch das schöne Wetter. Viele Gäste feierten zunächst draußen. Neu war auch die Laseranlage, die die Musik in der Scheune optisch untermalte. Da tanzten Frösche und Straußenvögel per Laser an der Wand, durchzogen feine Lichtstrahlen die Luft. Die Musik der Jungen Gesellschaft als Veranstalter schwankte zwischen aktuellen Charts und Stimmungsmusik.

Von Burkhard Ohse

Heiratsmarkt in Parsau – Hochzeit für 24 Stunden

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