Wenn es brennt, sind Polizei, Notarzt und Feuerwehr nicht nur vor der eigenen Haustür im Einsatz

Hilfe über die Grenze hinaus

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Im Landkreis Gifhorn machen weder Feuerwehr noch Krankenwagen vor der Landesgrenze Halt, wenn Hilfe benötigt wird.

Wittingen/Brome. Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr aus der Samtgemeinde Brome machen an der Landesgrenze zum Altmarkkreis Salzwedel nicht Halt.

Das wurde erst Ende Oktober deutlich, als sich exakt auf der Landesgrenze zwischen Brome und Steimke ein Verkehrsunfall ereignete, zu dem nicht nur die Bromer Polizei ausrückte, sondern bei dem auch ein Rettungswagen aus Ehra im Einsatz war.

Eine Landesgrenze besteht also nur auf der Landkarte. „Wir haben eine Vereinbarung mit dem Altmarkkreis Salzwedel getroffen, die den Einsatz des Notarztes im Nachbarlandkreis ermöglicht“, erklärt Joachim Reimer, Abteilungsleiter für Brand- und Katastrophenschutz im Kreis Gifhorn, im Gespräch mit dem IK. Hintergrund sei laut Reimer hauptsächlich der Wunsch der Krankenkassen, dass die Fahrzeuge des Notarztstandortes ausgelastet seien. „Wir haben in Wittingen einen zweiten Notarztstandort. Es passiert häufig, dass der Notarzt nach Diesdorf, Dähre oder Waddekath fährt. 80 Einsätze gab es bereits in diesem Jahr“, erläutert Reimer.

Eine Einsatzfahrt von Ost nach West käme laut Reimer sehr viel seltener vor. Die Unterstützung des Salzwedeler Notarztes würde nur etwa ein- bis zweimal im Monat in Anspruch genommen. Die Wege, so Reimer, seien einfach zu lang. Daher hole man Hilfe erst dann, wenn es notwendig sei.

„Natürlich machen auch die Feuerwehren an der Grenze nicht Halt, auch wenn es mit Sachsen-Anhalt per Brandschutzgesetz keine Vereinbarung gibt. Mir sind dennoch keine Einsätze bekannt. Obwohl es möglich wäre, gab es bisher keine Anfragen“, informiert der Kreis-Mitarbeiter und spricht explizit von der Gefahrenabwehr wie einem Hausbrand. Anders sehe es hingegen beim Katastrophenschutz aus. Hier würden die Feuerwehr-Bereitschaften anderen Landkreisen helfen. „Hier wären auch Einsätze in Sachsen-Anhalt denkbar – aber das entscheidet die Polizeidirektion“, weiß Reimer. In Lüneburg seien Feuerwehrkameraden aus dem Kreis Gifhorn beim Hochwasser im Einsatz gewesen. Auch in diesem Fall hätte die Polizei alle Informationen gesammelt und dann verteilt.

Dass die Polizei auch in Sachsen-Anhalt tätig werden darf, wenn ein Krimineller auf frischer Tat ertappt wird, ist für Gifhorns Polizeipressesprecher absolut gerechtfertigt. „Es gibt unter allen Bundesländern ein Abkommen. Daher ist es für uns unproblematisch, nach Sachsen-Anhalt hinüber zu fahren und umgekehrt“, weiß Reuter. Ebenso mache man nicht vor einer Landesgrenze Halt, wenn es um eine Fahndung gehe.

„Es gibt keine Berührungsängste – insbesondere Brome und Wittingen haben es nicht weit bis zur Landesgrenze. Es gibt regelmäßig gemeinsame Dienstbesprechungen“, zeigt Reuter die gute Kooperation auf. Und wer zuerst vor Ort ist, der nimmt den Unfall auf. Funk sei kein Problem, man kenne die Funkkanäle, daher könne man wunderbar kommunizieren. Das sei seit Jahren gute Sitte. Die gute Kooperation habe sich ja auch beim Verkehrsunfall zwischen Brome und Steimke gezeigt.

Von Carola Hussak

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