Junglandwirte im Isenhagener Land

Henrieke Krüger aus Voitze übernimmt landwirtschaftlichen Generationenbetrieb

Henrieke Krüger aus Voitze.
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Henrieke Krüger aus Voitze ist seit dem 1. Juli ihr eigener Chef: Sie hat den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern übernommen.
  • Hilke Bentes
    VonHilke Bentes
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Voitze – Sie stehen zum Teil noch am Anfang ihrer Berufslaufbahn, aber für viele Junglandwirte im Isenhagener Land steht eine gewissenhafte Entscheidung hinter der Frage, ob sie die Generationenbetriebe in einer Zeit voller Herausforderungen fortführen wollen.

So auch bei Henrieke Krüger aus Voitze, die den elterlichen Betrieb seit dem 1. Juli übernommen hat. In der IK-Serie spricht sie über Verantwortung, Zukunftsvisionen und die Kraft der Gemeinschaft.

Wenn Krüger über den Voitzer Hof schreitet, dann gilt die Bezeichnung elterlicher Betrieb nicht mehr so ganz. Denn seit einigen Wochen steht sie selber an der Spitze und ist ihr eigener Chef. Plötzlich liegt die letzte Entscheidung aller Fragen bei ihr. „Aber Gott sei Dank kann ich meine Eltern immer fragen, ihre Meinung hören und um Hilfe bitten“, sagt Krüger. Die 30-Jährige merkt aber trotzdem einen Unterschied zu der Zeit, in der sie noch angestellt war. „Es ist anders“, schmunzelt sie. Denn am Ende des Tages gehen Entscheidungen – ob gute oder schlechte – auf ihre Kappe. „Natürlich gibt man alles dafür, den Hof fortzuführen, ihn weiterzuentwickeln und ihn für die Zukunft aufzustellen.“ Das hat Krüger auch schon bei den vorherigen Generationen bemerkt. „Ob mein Vater oder mein Großvater: Jeder hat den Betrieb zukunftsfähig gehalten.“ So sei bei der Übernahme ihres Vaters die Rinder- und Pferdehaltung aufgegeben worden, stattdessen investierte er in eine neue Gerätehalle. Und auch Krüger will künftig an Schrauben drehen. „Ich glaube, da kann man hier viel machen.“

Der landwirtschaftliche Betrieb, der sich auf Ackerbau und Tierhaltung spezialisiert hat und mitten in Voitze liegt, ist schon seit Generationen in der Hand der Familie. Dass Krüger ihn nun übernommen hat, das war als eins von drei Kindern nicht von vornherein klar. „Aber meine Geschwister wollten hier nicht einsteigen.“ Und Krüger selbst? „Dass es etwas in die Richtung werden sollte, war für mich klar. Ich habe mich nie in einem reinen Bürojob gesehen.“

Die Junglandwirtin hatte nach ihrem Abitur eine Ausbildung zur landwirtschaftlich technischen Assistentin gemacht und anschließend Agrarwissenschaften studiert, Zeit auf anderen Höfen verbracht und ist dann 2016 nach Hause zurückgekehrt.

Der Beruf bringt ihr Freude: „Ich bin damit ja aufgewachsen, es ist ein geselliger Beruf, bei dem es keine tägliche Routine gibt“, erklärt Krüger. Abläufe, die gebe es sicherlich. „Aber dann kommt irgendetwas dazwischen und man muss schauen, wo man bleibt.“ Bei Reparaturarbeiten klingelt die 30-Jährige immer noch bei ihrem Vater durch. „Der hat dafür einfach ein Händchen.“

Auf die Frage, ob sie als Frau in einer Männerwelt auch einmal die Ellenbogen ausfahren musste, schüttelt Krüger energisch den Kopf. „Es ist hier in unserer Gegend nicht mehr so, dass es unüblich ist, dass Frauen als Landwirte weitermachen. Gut so.“ Dass man sich das eine oder andere Mal behaupten müsse, das sei als Berufsneuling wohl überall so. „Aber ich kriege auch viel Unterstützung.“ Der Betrieb beteiligt sich an einer Biogasanlage im Ort, auch bei einem Maschinenring ist Krüger dabei. Für größere Finanzierungsprojekte sei es gut, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Für die landwirtschaftliche Zukunft malt Krüger nicht schwarz, „Wie in jedem Beruf muss man sich an Dinge anpassen, Sachen verbessern. Das ist hier nicht anders.“ Auch trotz der derzeit schwierigen politischen Lage lässt sich Krüger nicht entmutigen. „Ich kann mir vorstellen, einen neuen Stall für unsere Schweine zu bauen, uns beim Thema Tierwohl noch weiter zu entwickeln.“ Aber dafür benötige es auch verbindliche Aussagen der Politik: „Stand heute würde und müsste ich mit so einem Projekt noch warten. Was heute gilt, kann sich morgen schon überholen.“ Trotzdem blickt Krüger voller Neugier und Tatendrang in die Zukunft.

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