Nach 60 Jahren ist erstmal Schluss

Dr. Haysam Trabulsi übergibt Praxis in Ehra an nächste Generation

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Dr. Haysam Trabulsi (80) in seinem Sprechzimmer, das er ab März seiner Nachfoglerin übergibt. 

Ehra-Lessien – Dr. Haysam Trabulsi kann nach langem Warten seine Praxis in Ehra an die nächste Generation übergeben. Der 80-Jährige freut sich, dass alle seine Patienten weiter gut versorgt sind – und auf seinen Ruhestand.

So ganz aufhören kann er aber auch nach 60 Jahren als Arzt noch nicht, wie im IK-Gespräch klar wird.

„Ruhig sitzen ist nicht mein Ding“, lacht Dr. Haysam Trabulsi. Der 80-Jährige sitzt in seinem Bürostuhl und wischt behende Kaffeeflecken vom Schreibtisch. Seine Praxis hat gerade für das Wochenende geschlossen. Er selbst wird noch ein paar Mal wieder kommen und hier in seinem Sprechzimmer sitzen, aber nicht mehr allzu oft. „Es wird Zeit, aufzuhören“, erklärt Trabulsi im IK-Gespräch. Dabei durchzieht ein sanftes Lächeln seinen grauen Bart.

Aus Wochen werden Jahre

Das wollte der Allgemeinmediziner eigentlich schon letztes Jahr, aber ein Nachfolger konnte nicht direkt anfangen, so musste er noch ein Jahr dranhängen. Das ist symptomatisch für seine Beschäftigung in Ehra. „Ich wollte eigentlich nur drei oder vier Wochen einem Kollegen aushelfen“, erinnert sich der Arzt. Das war vor fünf Jahren. Der befreundete Gynäkologe ging bald, die Praxis lief nicht gut. Trabulsi blieb. „Ich konnte die Patienten ja nicht einfach im Stich lassen“, stellt er fest. Die Patienten dankten es ihm.

Mehr als nur Patienten

„Es freut mich sehr, dass die Praxis jetzt gut läuft“, sagt er und sein Lächeln verpasst ihm ein paar mehr Falten um die Augen. Die blicken aber so scharf wie eh und je. „Es war harte Arbeit, aber es hat sich gelohnt.“ Bereuen werde er seine Zeit in Ehra nicht. Er habe vielen Menschen helfen können und aus manchen Patienten seien auch enge Freunde geworden. „Ich habe zu vielen eine enge Beziehung, das sind schon fast Familienangehörige“, sagt er.

Hilfe, die man leistet, wird man nie bereuen.

Dr. Haysam Trabulsi

Das ist für ihn immer ein schöner Nebeneffekt seines Berufes gewesen, erklärt Trabulsi. Nachdem er in Heidelberg Medizin studiert hatte, betrieb er rund 23 Jahre lang eine Praxis in Wolfsburg. Auch dort war die Nähe zum Patienten wichtig, aber auf dem Land, abseits der großen Stadt, sei das nochmal intensiver. „Die Leute sagen mir auch immer wieder, dass sie dankbar für meine Arbeit sind“, freut sich Trabulsi. Gerade für die älteren Patienten sei seine Praxis sowie die anderer Ärzte im ländlichen Raum lebensnotwendig.

Nahtlos weiter mit „Frau Doktor“

Umso mehr freut ihn, dass sich nun eine Nachfolgerin gefunden hat. „Ich finde es toll, dass die Praxis ab dem 1. März nahtlos weitergeführt wird“, berichtet Trabulsi. Den Namen der neuen „Frau Doktor“, wie er sie nennt, will er aus Rücksicht noch nicht verraten. Wohl aber, dass sie alle seine Patienten übernimmt. Wüsste er nicht, dass diese in guten Händen sind, würde er wohl weiter arbeiten. „Ich will wirklich aufhören“, sagt er und wirkt dabei keineswegs müde. „In Notfällen würde ich aber noch einspringen.“

Verdienter Ruhstand

Seinen Ruhstand will er zu Teilen in Spanien verbringen. Auch dort hat er in seiner langen Laufbahn eine Praxis betrieben und ist weiterhin eng mit Land und Leuten verbunden. Wie viele Patienten er seit seinem Arbeitsantritt 1959 versorgt hat, weiß er nicht. „Aber ich hoffe, allen geholfen zu haben“, sagt der Arzt. Er wird auch in Deutschland leben, denn hier sind seine drei Kinder zuhause. Die hätten auch mal zurückstecken müssen. „Ich habe immer nur gearbeit, jetzt wird es Zeit, auch mal frei zu haben“, wünscht sich Trabulsi.

Oder auch nicht

Ganz aufhören kann er aber auch nach bald 60 Jahren Dienst nicht, das wird im Gespräch schnell klar. So wünscht er sich auch, dass sich die Situation in seiner Heimat Syrien entspannt. „Wenn die Lage besser wird, würde ich dorthin gehen. Die brauchen auch medizinische Versorgung“, sagt der Doktor. „Hilfe, die man leistet, wird man nie bereuen“, sagt er mit festem Blick. Dann glätten sich die Züge des 80-Jährigen, dem man sein Alter nur bedingt ansieht, und er fügt lächelnd hinzu: „Und solange man arbeitet, bleibt man frisch.“

Von Dennis Tesch

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