Wer hat das Auto in den Graben gefahren? – Keine fremden DNA-Spuren gefunden

Vor Gericht: Nach Autounfall im Dezember – Angeklagter aus Brome behauptet nicht am Steuer gesessen zu haben

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(Symbolbild)

Salzwedel / Brome / Beetzendorf – Der Fall scheint sehr merkwürdig und verwirrend. Ein Deutsch-Russe (41) aus Brome wurde mit seinem Pkw VW am 2. Dezember gegen 20 Uhr auf der Kreisstraße 1396 zwischen Tangeln und Beetzendorf verunfallt im Graben aufgefunden.

Der Mann hatte zudem einiges an Alkohol getrunken. 2. 17 Promille wurden festgestellt. Die Polizeibeamten fertigten eine Strafanzeige gegen ihn an, doch der 41-Jährige beharrte darauf, nicht gefahren zu sein. Ein Fremder hätte seinen Wagen zu Schrott gefahren.

Der Deutsch-Russe, der bei seiner Aussage blieb und einen Widerspruch gegen ein vorangegangenes Urteil eingelegt hatte, fand sich am Freitag im Salzwedeler Amtsgericht vor Dr. Klaus Hüttermann wieder. „Was ist genau passiert“, fragte der Amtsgerichtsdirektor den Angeklagten. „Nun ja, meine Frau und meine beiden Kinder waren außer Haus. Da habe ich mir einen schönen Abend mit Wodka und viel Essen gemacht“, fing der 41-Jährige an zu erzählen. Später sei er in die Garage, um eine zu rauchen. Da habe plötzlich ein Unbekannte in seiner Einfahrt gestanden. „Er wollte wissen, ob es einen Bus oder Taxi nach Beetzendorf gibt“, sagte der Bromer weiter.

In seiner russischen Gastfreundschaft wollte der Angeklagte den Fremden fahren, doch er hatte Alkohol getrunken und so überließ er dem Unbekannten das Steuer. Ein Fehler, wie er später feststellen musste. Die Fahrt endete im Graben. Und der Unbekannte, der machte sich aus dem Staub. „Er hieß Mark und hatte eine lange schwarze Jacke, eine Mütze, eine blaue Jeans und weiße Turnschuhe an. Zudem war er auch noch tätowiert“, schilderte der Angeklagte.

Der Haken an der Sache: Die Spurensicherung konnte keine fremde DNA in seinem Auto feststellen. Nur seine Fingerabdrücke und Blutspuren des Deutsch-Russen wurden gefunden. „Wie erklären Sie sich das“, fragte Hüttermann. Der Mann hatte nur eine Erklärung. Die Beifahrertür hätte geklemmt, da sei er über die Fahrerseite raus und hätte dabei die DNA des Unbekannten verwischt. Ebenfalls merkwürdig: Die Polizei stellte keine Fußabdrücke fest, die vom Unfall auf der K 1396 wegführten. Zudem war die Straße nur von Feldern umgeben. Auch eine Suchaktion per Hund war erfolglos.

Ein Zeuge und Bekannter des Deutsch-Russen bestätigte zwar vor Gericht, dass ein Fremder am Steuer gesessen habe, als er seinen Hund Gassi geführt hatte und am Haus des 41-Jährigen vorbeikam. Allerdings war die Staatsanwältin von der Aussage überhaupt nicht überzeugt. Zwei weitere befragte Zeugen hatten dagegen keinen Fremden gesehen.

Die Verhandlung hätte am Freitag zu Ende sein können, wenn der 41-Jährige die Tat gestanden hätte. Er blieb jedoch bei seiner Aussage, so dass es einen Fortsetzungstermin am Freitag, 5. April, um 11 Uhr geben wird.

VON PAUL WILLIAM HIERSCHE

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