Flecken Brome ist für dezentrale Windparkflächen / „Schwarzer Berg“ ist als weiterer Standort denkbar

„Es geht heute nur um eine Empfehlung“

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Geheime oder doch namentliche Wahl? Die Entscheidung schien dem Gemeinderat des Fleckens Brome am Dienstagabend nicht einfach zu fallen.

Brome. Über drei Stunden dauerte die erste Sitzung des Gemeinderates des Fleckens Brome im neuen Jahr. Geduld wurde den Zuhörern abverlangt – was ihnen aber aufgrund der Thematik nicht schwer fiel. Schließlich ging es um das Thema Windenergie.

Bis Monatsende haben die Gemeinden Zeit, dem Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) eine Empfehlung bezüglich möglicher Windparkflächen zu geben. Der Schutz des Wohnumfeldes hat Vorrang, dezentrale Potenziale haben im Gebiet der Gemeinde Brome Priorität, Standorte sollten zwischen 50 und 70 Hektar mit maximal fünf bis acht Windrädern betragen – so im Groben die Empfehlung des Fleckenrates.

Der ZGB favorisiert den Windpark Zicherie als zentrale Fläche. Da der Flecken dezentrale Flächen bevorzugt, könnte das Gebiet „Schwarzer Berg“ östlich von Brome in Richtung Mellin als weiterer Standort ausgewiesen werden. Allerdings müsste der vorgesehene 5-Kilometer-Radius vom bestehenden Vorranggebiet Zicherie auf 4 Kilometer reduziert werden, um den Standort „Schwarzer Berg“ nicht zu gefährden.

Die Abstimmung der Punkte war nicht einfach, wobei beim letzten Punkt „befangene“ Ratsmitglieder von der Abstimmung Abstand nahmen. Dabei handelte es sich um Bürgermeister Gerhard Borchert, Henning Flegel, Ulrich Dörheide und Adolf Müller (alle CDU). Nachdem geheime Wahlen abgelehnt wurden, einigte man sich auf eine namentliche Wahl.

Für Verwirrung sorgte die Aussage von Lothar Hilmer (SPD): „Der ZGB gewährt einen Aufschub der Empfehlung bis zum 29. Februar. Warum vertagen wir nicht die Entscheidung? Dann können sich Gemeindebürgermeister, Bauausschussvorsitzende und der Samtgemeindebürgermeister treffen und einen Vorschlag ausarbeiten.“ Da diesbezüglich vom ZGB nichts Schriftliches vorliegt, lehnten die Ratsmitglieder diesen Vorschlag ab. „Meiner Meinung nach hat die Kommune die Aufgabe, die Bürger zu schützen, das hat Priorität“, meinte Wilfried Klopp (CDU). „Außerdem fasst der Samtgemeinderat am Montag in seiner Sitzung seinen Beschlusss. So etwas kann nicht einfach in einer kleinen Runde ausdiskutiert werden“, ergänzte Borchert.

Inwieweit die Gemeinde Einfluss auf die Entscheidung des ZGB hat, ist ohnehin fraglich. Wie Borchert erläuterte, behalte sich der ZGB die Hoheit vor, Entscheidungen zu fällen. Die Empfehlungen werden in die Planungsentwicklungen eingebaut und erst dann wird die Öffentlichkeit beteiligt.

Über die Höhe der einzelnen Anlagen machte sich Alexander Leopold (CDU) Sorgen. Einzig die Samtgemeinde hat die Chance, in einem F-Plan die Höhe der Anlagen festzulegen. Das hänge, so Borchert, auch von der Energiegewinnung ab. „In zehn Jahren könnten Windräder eine Höhe von bis zu 300 Metern erreichen“, mahnte Hilmert. „Wir sollen heute doch nur eine Empfehlung abgeben. Die Höhe spielt zum jetzigen Zeitpunkt noch gar keine Rolle“, machte Astrid Leibach (Grüne) deutlich.

Inwieweit die Gemeinden Einfluss auf die Ausweisung von „Wunschgebieten“ nehmen können, ist fraglich. Grundeigentümer wie in Tülau oder Altendorf-Benitz-Wiswedel haben sich nicht ohne Grund zusammengetan und Kontakt zu Betreibergesellschaften aufgenommen. Anträge für Windparks liegen dem ZGB bereits vor und auch die Betreiber stehen mit ihren Konzepten in den Startlöchern (das IK berichtete).

Von Carola Peiser

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