Gefahr durch Munition bei Ehra?

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Brände auf dem Truppenübungsplatz Ehra-Lessien sind durch Munitionsreste besonders gefährlich.

Ehra-Lessien – Der katastrophale Brand in Lübtheen ist gelöscht, die Gefahr durch Munition im Boden bleibt. Auch auf dem Truppenübungsplatz Ehra-Lessien finden sich noch massenweise Kampfmittel, auch dort herrscht erhöhte Gefahr.

Sperrungen, Räumungen und ein Strategisches Handlungskonzept sollen aber für Sicherheit sorgen.

Heute liegt die Waldbrandgefahr laut Deutschem Wetterdienst nur bei Stufe 2, doch in den vergangenen Wochen sah das ganz anders aus und auch zum Wochenende wird die Gefahr wohl noch einmal hochgestuft werden. Auch mit Blick auf den verheerenden Brand in Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern (das IK berichtete) stellt sich die Frage, ob das ehemalige Truppenübungsgelände Ehra-Lessien eine ähnlich große Gefahr darstellt.

294 Hektar hochgradig belastet

Über 940 Hektar verwüstete das Feuer bei Lübtheen. Immer wieder wurde es neu angefacht, auch durch Munitionsreste im Boden des Truppenübungsplatzes. Auch in Ehra-Lessien liegen noch Kampfmittel im Verborgenen. Laut einem 2011 von der Bundeswehr in Auftrag gegebenen Gutachten sind noch immer 294 Hektar hochgradig – Munitionsbelastungsgrad (MBG) C – belastet. Der Großteil des insgesamt rund 1620 Hektar großen Geländes aber ist weniger stark belastet. 663 Hektar sind demnach gering (MBG B), noch einmal 662 Hektar sogar nur sehr gering (MBG A) belastet.

77 Jahre militärisch genutzt

„Aufgrund der langjährigen und vielfältigen militärischen Nutzung im Zeitraum zwischen 1936 und 2013 besteht für große Teile des Areals ein Kampfmittelverdacht“, bestätigt auch Thorsten Grützner von der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auf IK-Nachfrage. „Deshalb sind auf der Liegenschaft sehr unterschiedliche Kampfmittel zu finden.“ Denn schon die Luftwaffe nutzte das Gelände als Versuchsstelle für Sprengungen und als Bombenabwurfplatz, später sprengte und vergrub das Bombenräumkommando Niedersachsen dort Kampfmittel. Auch der Bundesgrenzschutz, die Bundeswehr sowie die NATO waren in Ehra-Lessien tätig.

Von Pistolen bis hin zu Panzerfäusten

Eingesetzt wurden „beispielsweise Wurfgranaten, Panzerfäuste, Minen, Handgranaten und Handwaffenmunition“ in unterschiedlichen Mengen, berichtet Grützner. Immerhin: Chemische Kampfstoffe wurden noch zu Bundeswehrzeiten vollständig entsorgt. Aber Munitionsbelastung bleibt: „Konkrete Aussagen zu den Mengen an Kampfmitteln, die sich noch im Boden befinden, sind derzeit noch nicht möglich“, so Grützner.

Sommerhitze stellt keine Gefahr dar

Dadurch alleine resultiere aber noch keine erhöhte Brandgefahr. „Eine Selbstentzündung durch sommerliche Temperaturen kann bei den allermeisten Kampfmitteln ausgeschlossen werden“, entwarnt Grützner. Fehlverhalten von Menschen, wie das Wegwerfen von glimmenden Zigaretten oder Glas sei die größere Gefahr. Kommt es allerdings dadurch zu offenem Feuer, so reicht dessen Hitze durchaus aus, um die Munitionsreste zur Detonation zu bringen, was wie in Lübtheen Brände weiter entfachen kann.

Sicherheit durch Handlungskonzept

Dem wird schon seit 2013 entgegengewirkt, indem der Landkreis Gifhorn ein Betreten des Geländes verbat. Zudem habe die BImA in Kooperation mit der Leitstelle des Bundes für Kampfmittelräumung und in Abstimmung mit dem Landkreis ein Strategisches Handlungskonzept erstellt.

„Ziel ist, dass die Gefahrenabwehr und der Brandschutz sichergestellt sind“, fasst Grützner zusammen. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sollen dadurch eine sichere Infrastruktur für die Durchführung ihrer Aufgaben haben. „Dazu zählen etwa notwendige Fahrwege, Brandschutzstreifen, Löschwasserentnahmestellen und Rettungspunkte“, erklärt Grützner. Auch beinhalte das Konzept die zweckmäßige Abfolge der „fachlich gebotenen Kampfmittelerkundungs- und Räumungsmaßnahmen“ sowie eine Darstellung der Risiken.

Löschlinien sind nutzbar

Bereits seit 2015 führen Spezialfirmen die technische Erkundung und Testfeldräumung – besonders der Betriebswege und Brandschutzstreifen – durch. „Parallel wurden die bestehenden Brandschutzschneisen systematisch ausgebaut und ergänzt“, berichtet Grützner. Eine genaue Prüfung der Brandschutzstreifen zwischen November 2018 und März 2019 hat kürzlich gezeigt, dass diese in diversen Bereichen bereits als Löschlinien für die Einsatzkräfte nutzbar sind.

Komplette Räumung nicht möglich

Eine komplette Bereinigung des Truppenübungsplatzes ist derweil nicht in Aussicht. Für die Sicherheit auch der eventuellen Einsatzkräfte werde weiter gearbeitet. „An Stellen, an denen sich Kampfmittelrisiken bestätigt haben, werden in Kürze weitere Räumungen erfolgen“, verspricht Grützner. Aber: „Das gesamte Gelände flächendeckend kampfmittelfrei zu räumen, wird aus Gründen der Verhältnismäßigkeit, der technischen Möglichkeiten, der finanziellen und personellen Ressourcen sowie des Naturschutzes und der Landschaftspflege nicht möglich sein.“

VON DENNIS TESCH

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