Eklat bei Jahreshauptversammlung: Geschäftsführender Vorstand mit sofortiger Wirkung zurückgetreten

Führungskrise bei Parsauer Schützen

Trotz der Querelen wurden die Ehrungen nicht vergessen: Helmut Peckmann, Günter Schubert, Jürgen Michel und Richard Seidler (von links). Foto: Zogbaum

gz Parsau. Es war 22.01 Uhr, als Günter Schubert, erster Vorsitzender der Schützengesellschaft Parsau-Ahnebeck, verkündete: „Der geschäftsführende Vorstand tritt hier und jetzt zurück!“

 Die Ursache für diesen überraschenden Schritt kann wohl nicht allein in der kontroversen Diskussion über die Vorbereitung des diesjährigen Schützenfestes gesehen werden.

Die Verlesung der Protokolle der Jahreshaupt- und der außerordentlichen Mitgliederversammlung ließ schon auf Diskrepanzen schließen. Bei der Auswertung des letztjährigen Schützenfestes hatte sich ein finanzieller Verlust für den Verein ergeben, eine zu geringe Resonanz für die Veranstaltung wurde beklagt.

Außerdem wurde dem Vorstand eine unzureichende Zusammenarbeit mit der Jugend vorgeworfen. Allerdings wies der Bericht des Jugendleiters eine hohe Qualität der Jugendarbeit nach, was vom Vorsitzenden ausdrücklich gewürdigt und als Ausdruck guter Zukunftsaussichten des Vereins gewertet wurde. Auch der Schießsportleiter zog eine positive Bilanz. Allein die Zahl der Vereinsmeister in den verschiedenen Disziplinen weist auf Qualität der Aktivitäten hin. Allerdings scheint die Konzentration auf den Schießsport nicht den ungeteilten Beifall aller Mitglieder zu finden. Vereinzelt wurde bemängelt, die nicht aktiven Sportschützen fänden sich im Verein zu wenig wieder.

Der Tagesordnungspunkt „Schützenfest 2013“ entzündete schließlich die Gemüter. Die Kalkulation durch den Kassierer hatte ein voraussichtliches Defizit ergeben, und der Vorstand schlug vor, dies durch zusätzliche Beiträge zu decken. Ein großer Teil der Mitglieder lehnte das jedoch ab. Das voraussichtliche Spendenaufkommen sei grob unterschätzt, wurde vermutet. Man könne den Fehlbetrag aus der Vereinskasse decken, wandten andere ein. Dem hielt der Vorstand entgegen, dass die Schützengesellschaft als gemeinnütziger Verein Spenden nicht für Geselligkeiten, sondern nur für detailliert vorgegebene Zwecke verwenden darf. Die Vereinskasse werde durch regelmäßige Verbindlichkeiten und notwendige Aufwendungen für Anlagen ohnehin stark belastet. Man könne nicht mit Geldern rechnen, die man noch nicht habe, der Vorstand brauche das Einverständnis der Versammlung, ein Defizit des Schützenfestes notfalls durch Beiträge auszugleichen. Jedoch war keine Mehrheit für diesen Vorschlag in Sicht.

Nachdem der Vorstand sich in einer kurzen Versammlungspause beraten hatte, teilte Günter Schubert den Rücktritt des Gremiums mit. Auf Rückfrage aus der Mitgliedschaft erklärte er, zwar würden die Amtsgeschäfte, soweit nötig, noch weiter wahrgenommen, aber „in kurzer Zeit zu Ende geführt“. Die Vorbereitung des Schützenfestes wird der zurückgetretene Vorstand sicher nicht mehr organisieren. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung zwecks Neuwahl scheint nun unumgänglich.

Ungeachtet solcher Probleme wurden Jürgen Michel für fünfunddreißig Jahre und Richard Seidler für fünfzig Jahre Mitgliedschaft geehrt, Jürgen Michel außerdem zum Ehrenmitglied ernannt.

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