Isoliert im „Dschungelcamp“?

Asylbewerber in Lessiener Kaserne: Flüchtlingsrat kritisiert Landkreis wegen Unterbringung

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Keine Baracken: Die Flüchtlinge werden in Lessien in vernünftigen Häusern untergebracht.

Ehra-Lessien. Scharfe Kritik äußert der Flüchtlingsrat Niedersachsen an der Entscheidung des Kreises Gifhorn, Flüchtlinge auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lessien unterzubringen.

Während andere Städte und Kreise sich um die Aufnahme von Flüchtlingen an Orten bemühen, die eine Integration und Teilhabe ermöglichen, setze der Kreis Gifhorn auf Isolation und Ausgrenzung, heiß es in einer Pressemitteilung. Nirgendwo sonst in Niedersachsen existiere ein vergleichbares „Dschungelcamp“. Der Landkreis eröffne ein Ausgrenzungs- und Isolationslager im Wald.

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„Wenn mir gute Vorschläge gemacht werden, bin ich gerne bereit, diese auch umzusetzen. Der Landkreis macht schließlich nicht aus Spaß solche Vorschläge“, reagiert Ehra-Lessiens Bürgermeisterin Jenny Reissig auf die Vorwürfe. Auch die Erste Kreisrätin Evelyn Wißmann kann die Vorwürfe nicht fassen: „Wir haben 1,3 Millionen Euro investiert, die Asylbewerber werden nicht in Baracken untergebracht.“ Und ein Shuttleservice werde auch angeboten. Eine solche Kritik vom Schreibtisch aus in Hildesheim zu äußern, empfindet Wißmann als eine Frechheit: „Ich habe den Flüchtlingsrat Ende 2014 um Alternativvorschläge gebeten, aber die blieben bis heute aus – und in Turnhallen möchte ich niemanden unterbringen.“

Von heute auf morgen mehr als 800 Flüchtlinge unterzubringen, ist für Reissig und Wißmann nicht gerade ein Pappenstiel. „Wenn wir Wohnungen hätten, würde das Ganze auch anders aussehen“, so Reissig, die an den Bund appelliert, die Situation in den Auffanglagern zu verbessern – durch eine Aufstockung der dortigen Mitarbeiter.

Auf den Vorwurf des Flüchtlingsrates, der Landkreis würde mit Blick auf eine eingeführte Quotenregelung die Gebietseinheiten verpflichten, geeigneten Wohnraum zu akquirieren, die Stadt Gifhorn und die Samtgemeinde Meinersen allerdings ausnehmen, obwohl im Ortsteil Leiferde ein Wohnhaus angeboten worden sei, entgegnet Wißmann: „Meinersen und Gifhorn sind dicht, die Schulen überlaufen, da ist eine Wohnung keine Lösung.“

Der Flüchtlingsrat betont in seiner Pressemitteilung, dass die Unterkünfte an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden sein müssten und dass die Flüchtlinge Sprachkurse und Anpassungsqualifizierungen erhalten und in das öffentlichen Leben eingebunden werden müssten. Insbesondere auf die Sprachförderung legt Bromes Samtgemeindebürgermeisterin Manuela Peckmann größten Wert (das IK berichtete). Auch Reissig macht deutlich: „Wir versuchen alles, dass es den Menschen gut geht – die Landfrauen wollen einen Garten anlegen, damit sie Beschäftigung haben. Eine Fahrradstation soll auch eingerichtet werden, wo selbst Räder mal repariert werden können. Ich sehe keine Ausgrenzung.“

Von Carola Hussak

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