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Flüchtlingsfamilie soll nach Lessien ziehen: Vorwürfe gegen „Zwangsumsiedlung“

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Eine Flüchtlingsfamilie soll vom Landkreis Gifhorn in die Ehra-Lessiener Unterkunft zwangsumgesiedelt werden. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen erhebt ob der Gründe schwere Vorwürfe gegen dieses Vorgehen. Derweil weist der Landkreis die Darstellung zurück und hat eine andere Erklärung für die Anordnung.
Eine Flüchtlingsfamilie soll vom Landkreis Gifhorn in die Ehra-Lessiener Unterkunft zwangsumgesiedelt werden. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen erhebt ob der Gründe schwere Vorwürfe gegen dieses Vorgehen. Derweil weist der Landkreis die Darstellung zurück und hat eine andere Erklärung für die Anordnung. © Landkreis Gifhorn

Osloß/Ehra-Lessien – Schwere Vorwürfe erhebt der Flüchtlingsrat Niedersachsen: Der Landkreis Gifhorn soll eine achtköpfige Flüchtlingsfamilie aus ihrer Wohnung in Osloß aus „absurden Gründen“ zwangsumsiedeln wollen.

Die alleinerziehende Mutter mit ihren sieben minderjährigen Kindern müsse die eigene Wohnung verlassen und in die Flüchtlingsunterkunft in Ehra-Lessien umziehen.

Der Flüchtlingsrat sieht in dieser Maßnahme eine „rechtswidrige Schikanierung“ der Familie und fordert den Landkreis auf, die Mutter mit ihren Kindern weiter in der Wohnung in ihrem gewohnten Umfeld leben zu lassen. Der Landkreis weist die Vorwürfe zurück.

Die Flüchtlingsfamilie lebt seit knapp zwei Jahren in der Wohnung in Osloß, die vom Landkreis angemietet wurde. Laut Berichten des Flüchtlingsrates litt die alleinerziehende Mutter zu dem Zeitpunkt schon an hochgradigem Asthma. Die Frau habe den Landkreis darum gebeten, den „durch den Vormieter genutzten, stark verschmutzten und verstaubten Teppich“ entfernen zu dürfen. Diese Darstellung habe laut dem Ersten Kreisrat Dr. Thomas Walter nichts mit der realen Situation zu tun. „Eine Renovierung der Wohnung wurde vor Einzug durch den Landkreis Gifhorn durchgeführt. Ebenso erfolgte eine umfassende und gründliche Reinigung des Teppichs.“ Die Wohnung sei in einem ordnungsgemäßen Zustand gewesen. Es habe bei dem Einzug der Familie keinerlei Beanstandungen gegeben. „Für die Hygiene und Sauberkeit sind die Bewohner selbst verantwortlich.“

Laut der Schilderung des Flüchtlingsrats sei der Mutter zunehmend schwerer gefallen, in den eigenem Haus zu atmen, und so habe sie den Teppich auf eigene Kosten durch Laminat ersetzt. Sie habe die Wohnung ebenfalls tapeziert. Aus Sicht des Flüchtlingsrats sind das die Gründe, wegen denen der Landkreis nun verlangt, dass die Familie die Wohnung bis zum 5. August räumen und und in die Flüchtlingsunterkunft in Ehra-Lessien ziehen muss. Diese Zwangsumsiedlung würde für die Familie zugleich den Verlust ihres bisherigen Lebensumfeldes bedeuten und ihr den Alltag erschweren. Es drohe bei einer möglichen Widersetzung die „gewaltsame Zwangsräumung.“ Der Landkreis würde die Familie dafür bestrafen, die Wohnung eigenständig verbessert zu haben, sagt der Referent des Flüchtlingsrats, Muzaffer Öztürkylimaz.

Der Erste Kreisrat weist diese Darstellung entschieden zurück und wertet das als „Zerrbild“ der Situation. „Grund des Auszuges ist ausdrücklich nicht die eigenständig durchgeführte Renovierung, sondern die zunehmenden Beschwerden von Nachbarn und Schule bezüglich der Verhaltensweisen gegenüber dem sozialen Umfeld.“ Es habe Beschwerden des Vermieters hinsichtlich des Verhaltens in der Wohnung, Wahrung des Hausfriedens und der Sauberkeit gegeben. Die Probleme seien vonseiten des Landkreises in Gesprächen intensiv besprochen worden, eine Verhaltensänderung sei dabei nicht gelungen. Das letzte Gespräch mit der Familie am 10. Juli habe erneut zu keiner Einsicht geführt. „Die Familie war nicht bereit, das Verhalten zu ändern, sodass letztendlich der Umzug angeordnet werden musste“, sagt Walter.

Mit Blick auf den Umzug in die Gemeinschaftsunterkunft Ehra-Lessien solle eine intensivere Betreuung stattfinden. Dort stände permanent geeignetes Personal zur Verfügung. Der Anfahrtsweg der Tochter zur Ausbildung verlängere sich um zirka 30 Minuten, liege laut Walter jedoch noch im verhältnismäßigen Rahmen. Die minderjährigen Kinder könnten außerhalb der Schul- beziehungsweise der Kindergartenzeit in der Gemeinschaftsunterkunft betreut werden. „Die Unterbringung der Familie erfolgt unter Berücksichtigung der familiären Situation in einem Haus speziell für alleinerziehende Mütter und Familien“, erklärt der Erste Kreisrat. VON HILKE BENTES

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