Ab Oktober ist frühere Kaserne nur „stille Reserve“ / Reissig: "Ein Schnellschuss"

Flüchtlingscamp Lessien wird geschlossen

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Das Lessiener Flüchtlingscamp wird ab Oktober zum Reserve-Standort.

Gifhorn/Lessien. Das Flüchtlingscamp in Lessien wird geschlossen. Das teilte das niedersächsische Innenministerium mit. Wegen der nachlassenden Flüchtlingszahlen wird der Vertrag zwischen Betreiber Deutsches Rotes Kreuz und dem Land nach dem 20. September nicht mehr verlängert.

„Ehra-Lessien wird künftig nicht mehr als aktive Flüchtlingsunterkunft weitergeführt“, erklärte Matthias Eichler, Pressesprecher des Ministeriums, schriftlich. Allerdings soll die für 800 Flüchtlinge ausgelegte ehemalige Kaserne, in der momentan noch 39 Asylbewerber untergebracht sind, ab Oktober „in Reserve gestellt“ werden.

Sandro Pietrantoni (DRK Gifhorn).

Für Sandro Pietrantoni, Vorstand des DRK Gifhorn, kommt die Entscheidung – trotz des geringeren Zustroms nach Deutschland – überraschend. Die Nachricht darüber habe er erst am Montag erhalten. „Ich bin traurig“, sagt der DRK-Chef. Vor allem wegen der Mitarbeiter und freiwilligen Helfer, die „viel Herzblut“ in diese Aufgabe investiert hätten. Ein geplantes Projekt zur Arbeitsmarktintegration, das die Fertigkeiten und Fähigkeiten der Asylbewerber vor der „Kommunalisierung“ erfassen sollte, wird nun wohl nicht mehr starten. Spannend sei, so Pietrantoni, wie es nun mit dem Lager weitergeht. „Wenn Lessien eine stille Reserve sein soll, gehe ich davon aus, dass Mindeststandards erhalten bleiben und das Camp nicht zurückgebaut wird. Schließlich benötigen wir die Hardware, falls wir bei steigenden Flüchtlingszahlen den Betrieb wieder hochfahren müssen.“

Den Mitarbeitern aus dem Camp machte Pietrantoni, der noch am 17. Mai keine Konsequenzen für die Arbeitnehmer in der Lessiener Kaserne erwartet hatte (das IK berichtete), Hoffnung. „Wir suchen nach Möglichkeiten, sie unterzubringen. Die Mitarbeiter sind sensationell, teilweise mehrsprachig.“ Die Situation für die freiwilligen Helfer empfindet der DRK-Vorstand als „dramatisch“.

Bürgermeisterin Jenny Reissig.

 „Die Ehrenamtlichen können das überhaupt nicht verstehen“, weiß auch Ehra-Lessiens Bürgermeisterin Jenny Reissig. Sie empfindet es als schade, dass Bund und Land die Strukturen einer besseren Integration nicht erkannt hätten, zumal das Camp Lessien oft als „Musterbeispiel“ bezeichnet wurde. „Aber hier geht es mal wieder nur kurzfristig ums Geld.“ Reissig ist überzeugt: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“ Zumal das Camp in Bereitschaft stehe. Das heißt, so Reissig, dass Camp muss bewacht und beheizt werden, sonst verkommt das Areal erneut. Die engagierte Bürgermeisterin ist bis dato nicht sicher, wie es künftig mit den Flüchtlingsströmen aussehen wird. Für die Gemeinde stellt sich nun auch wieder die Frage, was mit der Liegenschaft in Zukunft passiert. „Für mich ist diese Sache ein Schnellschuss und ich werde nicht locker lassen“, verspricht Reissig.

Von Matthias Jansen und Carola Hussak

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