Strafzahlungen und rauher Umgangston im Pastor-Bammel-Haus

Brome: Flüchtlinge von Leitung schikaniert? Kreis will Konsequenzen ziehen

+
Die Bewohner des Pastor-Bammel-Hauses erheben Vorwürfe gegen die Leitung der Unterkunft.

Brome. Strafzahlungen für Bewohner wegen nicht angemeldetem Besuch oder Spielen auf dem Flur – im Bromer Pastor-Bammel-Haus soll ein Sanktionskatalog der Sicherheitsfirma Protector Security die dort lebenden 76 Asylbewerber drangsaliert haben.

Herausgekommen sind diese Missstände in der Sammelunterkunft des Landkreises Gifhorn durch einen Beitrag, der Sonntagabend im NDR-Fernsehen gezeigt wurde. Die Bewohner haben schwere Vorwürfe gegen die Betreiberfirma erhoben.

Von einem rauhen Umgangston war die Rede, und auch die Privatsphäre soll nicht eingehalten worden sein. Bei Verstößen gegen die von Protector Security festgelegten Regeln seien Strafzahlungen zwischen 5 und 300 Euro verlangt worden, die direkt an die Betreiberfirma geflossen sein sollen. Auch ein brutales IS-Video sei den Bewohnern vorgespielt worden. Laut Bericht des NDR habe der Leiter der Einrichtung die Vorwürfe teilweise eingeräumt, unter anderem, dass der Umgangston durchaus etwas rauher war.

Fleckenbürgermeister Gerhard Borchert kann nach eigenen Angaben nicht viel dazu sagen. Es sei Aufgabe des Landkreises Gifhorn, sich um diese Sache zu kümmern. Die Situation empfindet Borchert als traurig: „Ich bedaure das sehr, denn dabei geht die gute Arbeit, die von den Ehrenamtlichen geleistet wird, leider unter.“

Dass gehandelt werden muss, darüber ist sich die Erste Kreisrätin Evelin Wissmann durchaus bewusst. Bislang, so Wissmann, hätten die Schwerpunkte der Vorwürfe immer auf einem unangemessenen Umgang mit den Bewohnern gelegen, speziell mit einer Bewohnerin, die dort aber mittlerweile nicht mehr wohnen würde. „Dass ein IS-Video gezeigt wurde, hat mich von den Socken gehauen. Das macht eine weitere Zusammenarbeit mit der Firma einfach unmöglich“, erklärt die Erste Kreisrätin auf IK-Anfrage. Bekannt gewesen sei seit kurzem, dass Räume ohne vorher anzuklopfen betreten wurden, und dass es diese Sanktionsliste gab. „Anfang letzter Woche gab es diesbezüglich ein Gespräch mit den Leiter der Einrichtung. So etwas geht gar nicht. Ich habe da schon festgestellt, dass es zwischen uns einfach nicht funktioniert. Man muss über einen Auflösungsvertrag nachdenken“, sagt Wissmann. Daher sei man auch schon dabei zu überlegen, wie eine Übergangssituation am besten gemeistert werden könnte. Dennoch werde es ein weiteres Gespräch geben. Wissmann: „Wir werden uns die Aussagen anhören.“

Protector Security hatte bereits in Wittingen die Betreuung von Flüchtlingen übernommen. Vorwürfe sind dem Landkreis da nicht zu Ohren gekommen, „sonst hätten wir der Politik gar nicht diese Firma angeraten“, erläutert Wissmann. Bereits am Wochenende habe sie versucht, alle Fraktionsspitzen des Kreistages über diese Vorfälle zu informieren. „Allerdings weiß ich nicht, was man da noch diskutieren könnte“, blickt die Erste Kreisrätin ohne Verständnis auf das Vorgehen der Firma.

Unverständnis zeigt auch de Flüchtlingsrat Niedersachsen und fordert den Landkreis auf, aus diesem „Skandal umgehend Konsequenzen zu ziehen und den Vertrag mit Protector Security fristlos zu kündigen“.

Von Carola Hussak

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare