Bromer Michaelisheim: Die Hintergründe des Infektions-Ausbruchs

Fast ausnahmslos Impfdurchbrüche

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.
+
Alltag in einem Altenheim (Symbolbild): Im Bromer Michaelisheim werden die Abläufe derzeit stark durch den Corona-Ausbruch und die nötigen Gegenmaßnahmen geprägt.
  • Paul Gerlach
    VonPaul Gerlach
    schließen
  • Holger Boden
    Holger Boden
    schließen

Brome – Anfang des Jahres gehörten sie zu den Hotspots der Corona-Pandemie, dann rückten in den Altenheimen die Impftrupps an. Alles gut, dachte mancher, doch inzwischen sind die stationären Pflegebetriebe mitunter auch Schauplatz der vierten Welle. Im Landkreis Gifhorn taucht das Bromer Michaelisheim seit einigen Tagen bei den Fallzahlmeldungen auf, 21 Infizierte waren es dort gestern. Bettina Enßlen, Sprecherin der Diakonie Wolfsburg, zu der das Haus gehört, erläutert auf IK-Anfrage die Hintergründe.

Im Infektionsbereich wird laut Enßlen mit besonderer Schutzausrüstung (Masken, Handschuhe, Schutzanzüge) gearbeitet. Dort gilt aktuell eine Quarantäneregelung. „Das bedeutet auch, dass infizierte Bewohnende und negativ getestete Bewohnende vorübergehend keine persönlichen Kontakte haben“, so Enßlen. „Die Mitarbeitenden tragen weiterhin im gesamten Haus FFP2-Masken. Allen Bewohnenden stellen wir ebenfalls FFP2-Masken zur Verfügung und beraten zu den notwendigen Hygienemaßnahmen.“

Jeder Corona-Ausbruch sei eine herausfordernde Situation. Die Lage werde als angespannt empfunden, auch, weil die Mitarbeitenden den einzelnen Wohnbereichen bis auf Weiteres fest zugeordnet sind. Das, so Enßlen, binde Personalkapazitäten: „Deshalb gilt unser Dank in erster Linie unserem tollen Team, das sich täglich für eine gute Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner einsetzt.“

Von Infektionen sind im Michaelisheim aktuell zwei Wohnbereiche betroffen, beide wurden vom Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt. Für beide Wohnbereiche gilt auch ein Besuchsverbot. „Wir haben sicherheitshalber auch alle anderen Bewohnenden und ihre Familien darum gebeten, derzeit von Besuchen abzusehen“, erklärt Enßlen. Leiterin Annette Sternagel sagt dazu: „Wir sind dankbar, dass wir hier alle an einem Strang ziehen.“ In besonderen Situationen, etwa bei einer Palliativversorgung, finde das Haus gemeinsam mit den Angehörigen individuelle Lösungen.

Die Impfquote im Team beziffert Enßlen auf knapp 88 Prozent. Etwa 99 Prozent der Bewohner seien geimpft.

Bei den 21 Betroffenen ist es denn auch fast ausnahmslos zu Impfdurchbrüchen gekommen. Bis auf eine Person waren alle Infizierten vollständig geimpft, berichtet die Sprecherin. Zur Infektionskette, die zu den Fällen geführt hat, könne nur das Gesundheitsamt etwas sagen. Das Heim habe es als wichtigstes Ziel gesehen, die Kette möglichst schnell zu unterbrechen, eben durch die Trennung Infizierter und Nicht-Infizierter. Dazu seien in den letzten Tagen auch Umzüge notwendig gewesen.

Gemäß der Testverordnung des Landes wird getestet, das Michaelishim hat aber zudem ein unternehmensinternes Testkonzept, das über die Regelungen der Landesverordnung hinausgeht. Enßlen: „Täglich wird getestet, wer nicht geimpft oder genesen ist. Die geimpften und genesenen Mitarbeitenden werden dreimal pro Woche getestet. Im Verdachtsfall werden gemäß unseres Testkonzepts auch die Geimpften und Genesenen täglich getestet.“ Gestern war ein mobiles Testteam des Gesundheitsamts vor Ort und führte PCR-Tests bei Bewohnern und Mitarbeitern durch.

Gab es schon Booster-Impfungen? „Der Einsatz des mobilen Impfteams war im Michaelisheim für den 1. November geplant“, erklärt Enßlen. „Durch den Ausbruch mussten wir diesen Termin leider absagen. Ein neuer Termin ist für den 19. November vorgesehen.“ Einige Mitarbeitende hätten sich die Dritt-Impfung bereits von ihrem Hausarzt geben lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare