Mutter in psychiatrischer Klinik

Familie droht Abschiebung: „Das zerstört sie“

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Der junge Vater und sein Sohn blicken in eine ungewisse Zukunft: Sie sollen abgeschoben werden.

Brome – „Das geht gegen jedes Rechtsverständnis“, sagt Volkhard Schuleit aus Brome. Der Arzt behandelt eine junge Familie aus dem Irak, die heute abgeschoben werden soll. „Dabei liegen konkrete Todesdrohungen vor. “.

Seit Juni letzten Jahres leben die 21-jährige Mutter und der 28-jährige Vater in Deutschland.

Sie sind aus dem Irak geflohen, da die Familie der Frau geschworen habe, „ihre Ehre wiederherzustellen“. „Das bedeutet den Tod für die Frau“, erklärt Schuleit. Ein beglaubigtes Dokument aus dem Irak bestätigt dies von offizieller Seite.

„Ein klarer Grund, Asyl zu gewähren“, sagt Schuleit. „Aber das wird ja gar nicht erst geprüft – Dublin sei Dank.“ Denn das junge Pärchen flüchtete in die Schweiz, bekam dort 2016 einen kleinen Sohn und kam schließlich nach Deutschland. Nun informierte der Landkreis Gifhorn sie über ihre Rückführung. Heute um 0 Uhr sollen sie in die Schweiz gebracht werden – ohne Prüfung ihres Falles.

„Das ist ein Todesurteil“, sagt Schuleit, „die Schweiz schickt sie zurück in den Irak.“ Die Mutter musste er einweisen: „Sie hat schon drei Suizidversuche hinter sich. Das zerstört sie.“ Der Vater sei auch selbstmordgefährdet, aber er müsse sich um das Kind kümmern.

Abschieben könne man die drei nur zusammen: Ein Erlass des niedersächsischen Innenministeriums verbietet Familientrennungen im Sinne des Grundgesetzes. Daher soll die Frau nun von der Bundespolizei unter ärztlicher Begleitung abgeschoben werden. „Unser Staat setzt hier nicht das Grundgesetz durch“, klagt Schuleit an, „sondern die Scharia.“

VON DENNIS TESCH

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