„So etwas darf nie wieder passieren“

Kindergrab in Rühen: Denkmal wird von Vereinen neu gestaltet

+
Das Kindergrab auf dem Rühener Friedhof soll der Opfer des Kinderlagers gedenken. Örtliche Vereine wollen es nun ansehnlicher gestalten und gepflegt halten. 

Rühen – Auf dem Rühener Friedhof gedenkt eine Grabplatte des Kinderlagers, das am Ende des Zweiten Weltkrieges für Kinder von Zwangsarbeitern errichtet wurde. Die Rühener Vereine wollen sich nun verstärkt dafür einsetzen, dass dieses Mahnmal ansehnlicher wird.

„Wir kümmern uns schon seit Jahren um das Kindergrab“, erklärt Koordinator Thomas Reimer im IK-Gespräch. Die Vereine aus Brechtorf, Eischott und Rühen veranstalteten etwa Kranzniederlegungen. Allerdings sehe die Gedenkstätte „momentan nicht gerade schön aus“, wie Reimer sagt. Daher will man das Kindergrab nun neu gestalten. Ab dem morgigen Freitag werden viele Helfer aus den Vereinen am Grab arbeiten.

Ansehnliche Gestaltung

Dafür soll zunächst der überhand nehmende Schlingpflanzenwuchs beseitigt werden. „Wir werden Rasenkantensteine setzen und wohl pflegeleichte Buchsbäume pflanzen“, führt Reimer das bisher geplante Vorgehen aus. Auch soll neues Mineral oder Grobgemisch ausgebracht werden. „An den Maßen verändern wir aber nichts“, verspricht Reimer. „Auch die Platte bleibt natürlich erhalten.“ Bevor es richtig los geht, will man sich aber zunächst die Grundsubstanz genauer anschauen.

Ewiges Ruherecht

Reimer findet es wichtig, das Kindergrab ansehnlich zu erhalten. Nicht nur, weil man ohnehin gebunden sei, denn „es handelt sich nicht um eine offizielle Kriegsgräbergedenkstätte, aber die Kinder haben ewiges Ruherecht“, so Reimer. „Es ist unser aller Aufgabe, mit der Vergangenheit respektvoll umzugehen“, betont er.

Hunderte tote Kinder

In der „Ausländerkinder-Pflegestätte Rühen“, wie das Kinderlager offiziell hieß, wurden ab Juni 1944 Kinder von Zwangsarbeiterinnen des Volkswagenwerkes untergebracht. Teils bereits im Alter von acht Tagen wurden die Kinder den Müttern weggenommen, damit diese wieder arbeiteten – auch, weil sie für die Unterbringung der Kinder bezahlen mussten. Sonntags durften die Eltern ihre Kinder besuchen, mussten die zwölf Kilometer ins Lager aber zu Fuß zurücklegen.

Rund 130 Kinder waren in vier Baracken in Rühen untergebracht und wurden von nur drei Frauen versorgt. Bis April 1945 starben laut unterschiedlichen Quellen zwischen 100 und über 365 Kinder durch Mangelernährung und furchtbare hygienische Verhältnisse. Zu Kriegsende stieg die Todesrate der Kinder im Lager von anfangs 70 auf nahezu 100 Prozent. Teils wurden die Kinderleichen mit Pappkartons per Fahrrad zum Rühener Friedhof gebracht. Die Eltern mussten auch die ‘Beisetzung’ bezahlen.

Respekt für alle

„Das Kindergrab erinnert uns daran, dass so etwas nie wieder passieren darf“, sagt Reimer. Für diese Erinnerung würden sich nun eben die Rühener Vereine stark machen. Dabei soll aber auch der Respekt für die Gegenwart nicht schwinden. Eine Dauer der Arbeiten ist zwar noch nicht abzusehen, aber Reimer verspricht, dass „die Arbeiten bei Trauerfeiern auf dem Friedhof natürlich eingestellt werden“.

Viel Eigenleistung

Die Umgestaltung erfolgt dabei in Eigenleistung der Vereine. „Allerdings erhalten wir Zuschüsse von der Samtgemeinde und der IG Metall“, freut sich Reimer. Damit das neue Kindergrab dann auch so ansehnlich bleibt, hat Reimer sich eine Art Patenschafts-System ausgedacht: Reihum sollen die Vereine je für ein Jahr mit der Pflege des Mahnmals beauftrag werden. „Die Kyffhäuser kümmern sich auch um das Kriegsgrab zwischen Rühen und Parsau“, sagt Reimer. „Das funktioniert auch wunderbar.“ Er bedankt sich schon jetzt für die ehrenamtliche Hilfe aller Beteiligten.

VON DENNIS TESCH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare