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Enttäuschungen im Camp

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Von: Ann-Cathrin Brey

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Manche Menschen in der Flüchtlingsunterkunft in Ehra-Lessien sind unzufrieden. Das deutsche Rechtssystem ist ihnen unverständlich. Gespräche mit dem Landkreis für eine Lösung folgen in naher Zukunft.
Manche Menschen in der Flüchtlingsunterkunft in Ehra-Lessien sind unzufrieden. Das deutsche Rechtssystem ist ihnen unverständlich. Gespräche mit dem Landkreis für eine Lösung folgen in naher Zukunft. © Archivfoto: Hussak

Ehra-Lessien. Das Flüchtlingscamp in Ehra-Lessien ist seit Februar dieses Jahres wieder belebt. Trotz großen ehrenamtlichen Engagements im Ort sind viele Flüchtlinge mit ihrer Situation in Lessien unzufrieden und machen immer mal wieder ihren Unmut laut.

So soll es erst letzte Woche zu vermehrten Protestäußerungen gekommen sein.

„Die Unmutsäußerungen kommen immer mal wieder vor“, bestätigt Polizeisprecher Thomas Reuter die Proteste der Flüchtlinge. „Meist ist es nur eine kleine Gruppe, die sich verbal äußert.“ Das kann auch Jenny Reissig, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins „Ehra-Lessien, ein Dorf – ein Team“ bestätigen. Durch die Angebote des Fördervereins, die sich unter anderem auch an die Flüchtlinge richten, steht sie mit diesen im engen Kontakt.

Manche Flüchtlinge „verstehen das deutsche System nicht“, erzählt Reissig. Sie würden etwa nicht begreifen, warum der eine keine Ausbildung machen darf, obwohl ein anderer Flüchtling eine Stelle bekommen hat. „Sie verstehen nicht, dass sie zum Beispiel ein Sprachniveau der Stufe B1 haben müssen, bevor sie eine Ausbildung anfangen können“, erklärt Reissig. Solche Bedingungen seien ihnen nicht bewusst.

Genauso sehe es mit der Forderung nach einer eigenen Wohnung aus. Der Wohnraum sei in Ehra-Lessien knapp, die Unterbringung aller Flüchtlinge in eigenen Wohnungen nicht möglich, so Reissig. Zudem hätten viele Flüchtlinge große Angst vor der Abschiebung. Es komme öfter mal vor, dass am frühen Morgen einzelne Flüchtlinge im Camp geweckt und des Landes verwiesen werden. „Das schürt natürlich Angst und Unzufriedenheit“, versteht Reissig die Unmutsbekundungen. „Die Fragen sind durchaus gerechtfertigt. In Gesprächen muss dann geklärt werden, welche Aussagen auch die richtigen sind.“

Für Reissig steht daher fest: Es muss mehr miteinander gesprochen werden. „Der Gesprächsbedarf ist groß, um zum Beispiel aufzuklären, wer ein Asylrecht hat und wer nicht.“ Gespräche soll es bald mit dem Landkreis geben, der das Gelände angemietet hat. Eine Stellungnahme des Landkreises war bis Redaktionsschluss nicht zu bekommen.

Von Ann-Cathrin Brey

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