Museums- und Heimatverein plant im kommenden Jahr große Ausstellung zum Thema „Brome im Dritten Reich“

Endlich genug Material zusammen

MHV-Vorsitzender Jens Winter hält so genannte Wochensprüche der NSDAP in seinen Händen, die in der Ausstellung gezeigt werden sollen. Fotos: Peiser

Brome. Genug Material ist mittlerweile zusammengekommen – zumindest, um eine Ausstellung in Angriff zu nehmen. Der Museums- und Heimatverein Brome (MHV) um den Vorsitzenden Jens Winter plant im kommenden Jahr eine große Ausstellung zum Thema „Brome im Dritten Reich“.

„Die Idee dazu“, so informiert Winter, „haben wir schon länger – etwa zwei Jahre. Aber bislang fehlte es uns einfach an Material. “.

Aufmarsch zur Gefallenenehrung vor der Bromer Kirche am 19.3.1933. Foto: Privat

Vor ein paar Wochen hat sich das Blatt gewendet. Inzwischen hat der MHV per E-Bay aus einem Nachlass Reichskleiderkarten ersteigert, auch diverse Fotos liegen dem Vereinsvorsitzenden vor. „Bildmaterial haben wir inzwischen sehr viel“, freut sich Winter. Auch können eine zeitgemäße Münzsammlung und Propaganda-Briefmarken in der Ausstellung gezeigt werden. Wesentlich interessanter dürfte sich der Grundgedanke des ganzen Vorhabens gestalten: das Alltagsleben in Brome während des Dritten Reiches widerzuspiegeln. Das beinhaltet auch Material, wie das Vereinsleben im Sport oder bei den Schützen abgelaufen ist.Wie Winter im IK-Gespräch informiert, gehe es primär um Brome selbst. Dabei hat der MHV-Vorsitzende verschiedene Blickwinkel vor Augen. „Ich würde gerne anhand eines Beispiels das Schicksal eines Kriegsgefangenen darstellen, das eines Spätheimkehrers oder eines Menschen, der im Krieg gefallen ist. Hier stellt sich nur die Frage, wie man an Material, beispielsweise eine Traueranzeige eines längst Verstorbenen, kommt“, zeigt sich Winter noch etwas ratlos. Wesentlich leichter scheint sich hingegen, das Kriegsende darzustellen. Darüber hat der Pädagoge einige Informationen aus der Bromer und Altendorfer Schulchronik erhalten.

Interessant dürfte auch eine komplette Kriegsbriefesammlung sein, die Hermann Rehfeldt aus Benitz an seine Frau Helene im Jahr 1942 schrieb. „Uns liegen 161 Briefe vor. Das heißt, er muss jeden zweiten Tag einen Brief geschrieben haben. Viel Persönliches steht nicht in den Briefen, dafür erfahren wir durch die Antworten von Hermann Rehfeld, was in Brome passiert ist“, erläutert Winter und hofft auf weitere Feldpostsammlungen, die allerdings komplett sein sollten.

Der MHV-Chef sucht nicht nur im Gifhorner Kreisarchiv nach weiteren Informationen und Hinweisen auf die NS-Zeit in Brome, sondern hat auch das Bundesarchiv in Berlin kontaktiert. Dort stellte er die Frage nach der genauen Anzahl der Mitglieder, die sich in der Führungsriege der NSDAP im Isenhagener Land befanden. In Brome ist die NSDAP zunächst gescheitert. Grund dafür war, so Winter, der Tannenberg-Bund, der zunächst als Konkurrenz galt.

Neben dem Alltag und einzelnen Geschichten soll auch die Ortsentwicklung in Brome dargestellt werden. So wurde die Badeanstalt vom Reichsarbeitsdienst erbaut, obwohl die Idee dazu bereits vor dem Krieg, 1927, entstanden ist. Am 8. Februar 1933 hat der damalige Gemeinderat den Bau beschlossen. Winter sucht noch nach Informationen über so genannte Materiallager. „Es gab vermutlich im Umland einige Unternehmen, die für VW gearbeitet haben.“

Ein genauer Termin für die Ausstellung steht bisher noch nicht fest – wohl aber, dass sie im Bromer Rathaus stattfindet. „Das Ganze ist ein längerfristiges Projekt, ich muss mich noch in einige Dinge einlesen“, sagt Winter. Vier Wochen wird die Ausstellung mindestens im Rathaus zu sehen sein. Eventuell wird es auch einen Katalog zu der Ausstellung geben.

Von Carola Peiser

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