Flüchtlingskinder in Brome erleben erste Bescherung

Emotionale Begegnung

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Bescherung im Pastor-Bammel-Haus: Viele der Flüchtlinge und ihre Kinder erlebten diesen Weihnachtsbrauch zum ersten Mal.

Brome. Für viele Bewohner der Flüchtlingsunterkunft im Bromer Pastor-Bammel-Haus war es das erste Mal; sie kommen aus einem anderen Kulturkreis, in dem man das große Fest der Christenheit mit seinen Bräuchen nicht kennt: Der Weihnachtsmann war zu Gast, um die 20 Kinder dort zu beschenken.

Groß war die Aufregung bereits vor der Ankunft des Mannes mit dem weißen Bart. So rief der zehnjährige Amir laut in den Flur: „Noch neun Minuten“. Die kleine Anna war so berührt, dass sie in Tränen ausbrach und von ihrem Vater getröstet werden musste. Als dann der rote Mantel des Gabenbringers auf der anderen Straßenseite vor der Schule gesichtet wurde, gab es für Amir und seinen Freund kein Halten mehr. Sie liefen hinüber und gaben ihm das Geleit.

Im Clubraum war der Weihnachtsbaum festlich geschmückt, und um die Tanne herum stapelten sich die Geschenke, alle mit Namen versehen. Die Mitglieder des Helferkreises hatten die Idee: Während der Bastelstunde schrieben die Kinder ihre Wünsche auf einen Zettel, der dann zusammengerollt und am Baum befestigt wurde. Helfer, die daran vorübergingen, steckten jeweils einen Zettel ein, kauften das Passende und versahen es mit dem Namen des Empfängers.

So bekam jedes Kind, was es sich gewünscht hatte: die kleine Anna ihre Puppe oder Amir seinen Baukasten. Der Weihnachtsmann hatte alle Hände voll zu tun, an diesem Mittag im Pastor-Bammel-Haus: Erst trafen die Kinder nur zögerlich ein, und er musste im Hausflur seine Glocke kräftig schwingen und „Ho Ho Ho“ rufen, bis dann auch die Eltern mit den ganz Kleinen nach und nach den Raum betraten. Die Kinder, die schon da waren, sangen: „We wish you a merry Christmas“ sehr textsicher und mit kräftigen Stimmen.

Dann herrschte in dem großen Raum ein reger Trubel. Einige Kinder waren eher schüchtern und wurden von ihren Müttern zum Weihnachtsmann getragen, andere bedrängten den Bärtigen und zerrten an seinem roten Mantel. Da wunderte es nicht, dass die jüngsten Heimbewohner nur schwer zu beruhigen waren, als ihnen die Weihnachtsgeschichte vorgetragen wurde; lag doch die Freude an den Geschenken viel näher.

Von Horst Michalzik

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