Friedrich Müller wandert 470 Kilometer

Der Weg eines Pilgers aus Parsau

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Mit schwerem Gepäck und völlig auf sich allein gestellt machte sich der Parsauer Friedrich Müller auf die Via Regia von Görlitz nach Vacha.

Parsau. Pure Abenteuerlust, eine positive Erwartungshaltung und der Wille, sich auf einen anstrengenden Weg zu machen, um bis zum Ziel durchzuhalten:

Friedrich Müller aus Parsau hat den Jakobsweg Via Regia von Görlitz an der Neiße bis Vacha an der Thüringisch-Hessischen Grenze an 20 Tagen zurückgelegt, davon 18 völlig allein auf sich gestellt.

Dabei kam der Parsauer durch Bautzen, Leipzig, Naumburg, Erfurt, Gotha und Eisenach. Als seine Füße ihn an den letzten beiden Tagen im Stich lassen wollten, kämpfte er sich bis ins Ziel. Müller: „Ich wäre auch auf allen Vieren hingekrochen.“ Erfahrung mit Herausforderungen hat der Elektromeister im Ruhestand reichlich: Vor zwei Jahren fuhr er mit dem Trecker zum Polarkreis.

Sich auf den Weg machen, den ersten Schritt tun, um schließlich anzukommen, das war die Idee des Mittsechzigers, und sie beflügelte ihn von einer Tagesetappe zur anderen. Übernachtet hat er in Pilgerherbergen, in schmucklosen Gemeinderäumen, manchmal ohne Matratze und Frühstück. In günstigeren Fällen mit Bad, Dusche und gutem Essen. Doch eines hatten alle Stationen gemeinsam: Er wurde freundlich aufgenommen.

Über 450 Kilometer ist der ökumenische Pilgerweg lang, mit den geplanten und überraschenden Umwegen hat Müller knapp 470 Kilometer zurückgelegt. Die Strecke basiert auf einer uralten Ost-West- Handelsstraße. Wie alle Straßen jener Zeit diente sie als Teil des Weges nach Santiago de Compostela.

Mit einem 13-Kilo-Rucksack absolvierte der Parsauer Pilger den langen Marsch und spürte am Schluss das Gewicht der Ausrüstung kaum noch. Ausgestattet worden war er von seinem Sohn mit Trockenfleisch und Power-Müsli, damit er bei Kräften blieb.

Auf eines wollte er aber nicht verzichten, den morgendlichen Kaffee. Da kam ihm die Gastfreundlichkeit zugute: „Auch Privatleute, die ich ansprach, haben mir frischen Kaffee gekocht, wenn die Bäckereien geschlossen waren.“

Von Horst Michalzik

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