Sybille Schnehage kritisiert den Umgang der Regierungen mit den Menschen aus Afghanistan

„Es ist eine Katastrophe“

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Nach einem Überfall auf das Büro einer Hilfsorganisationen steigt in Dschalalabad am Ort des Anschlags Rauch auf. Mindestens 11 Menschen sind bei dem Angriff verletzt worden.

Bergfeld. „Es ist eine Katastrophe“, kommentiert Sybille Schnehage, Vorsitzende des Hilfsvereins Katachel, mit Blick auf den Überfall auf das Interconti-Hotel und den Anschlag auf eine Kinderhilfsorganisation in Afghanistan.

Sybille Schnehage

Trotz der Gefahren möchte die Vorsitzende weiterhin nach Kunduz reisen und dort den Menschen helfen. Doch die Reise setzt immer eine gute Planung voraus. „Ich fahr nicht einfach los. Ich bin ein auf Sicherheit bedachter Mensch. Wenn ich nach Afghanistan reise, sagen mir meine Leute vor Ort bescheid, ob ich kommen kann oder ob ein anderer Ort in der Nähe besser wäre“, so Schnehage.

Der Krieg zwischen den Taliban und der afghanischen Armee dauere schon viel zu lange. „Eigentlich müsste Afghanistan schon ein blühendes Land sein“, sagt die Bergfelderin. „Die militärischen Aktionen mit den Amerikanern helfen überhaupt nicht. Die Leute dort sind verzweifelt.“ Besonders die Landbevölkerung leide darunter. Ohne Geld und Arbeit würden die jungen Männer in die Taliban eintreten, weil die viel Geld zur Verfügung stellt. Woher die Organisation so viel Geld und Waffen habe, wisse man nicht. Das frustriert Schnehage: „Man muss das doch wissen. Es gibt doch Konten. Sind denn die Regierung und die UNO so blind?“

Auch die Vorgehensweise der deutschen Bundesregierung mit der Situation in Afghanistan finde sie kritisch: „Wir können nicht nur die Menschen aufnehmen. Das löst das Problem nicht. Vor Ort muss die Situation verbessert werden.“ Schnehage glaubt, dass die Förderung sozialer Hilfsprojekte auf dem Land besonders den jungen Männern helfe, da diese durch die Arbeit und das verdiente Geld nicht in die Taliban überlaufen. So werden auch bis zu 20 Beschäftigte für die Öl-Fabrik gesucht.

Außerdem sei es wichtig, miteinander zu reden. Dass die verbale Kommunikation Wirkung haben kann, zeigt Schnehage an dem Bau der 31. Schule in Imam Sahib. Die wird in einem umkämpften Gebiet errichtet. „Wir haben mit allen Beteiligten gesprochen. Das hat wunderbar funktioniert.“

Von Ann-Cathrin Brey

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