„Wir verlieren die Eiche“ / Bekämpfung ist Naturschutz

Eichenprozessionsspinner: Bestand leidet massiv

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Generationen spielten hier, bauten Baumhäuser. Nun stirbt die alte Eiche ab.

Kaiserwinkel – Förster Stefan Sudenfeld ist wütend: „Diese selbsternannten Naturschützer müssen mal hier rauskommen und sich das anschauen. “ Denn die nun laut gewordene Kritik an der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners (EPS) kann er nicht verstehen.

„Wir kämpfen seit Jahren“, berichtet Sudenfeld. „Für viele alte Eichen ist es bereits zu spät. “.

Förster Stefan Sudenfeld und Bürgermeisterin Kerstin Keil sehen die Spinnerbekämpfung als Eichenschutz.

So steht an einem Feldweg in Richtung Drömling eine rund 300 Jahre alte Eiche, die im Kampf gegen die Raupen sichtlich unterliegt. „Viele der älteren Bürger fragen, warum wir da nichts unternehmen“, sagt Sudenfeld. Generationen haben auf diesem Baum gespielt, nun geht er ein. „Den massiven Befall und Blattfraß können die Bäume nur wenige Jahre verkraften“, erklärt Sudenfeld und zeigt andere, rund 200 Jahre alte Bäume. „Die haben zwei Weltkriege überlebt, alle Krisen gut überstanden“, sagt er. Nun seien die Spinner dabei, die landschaftsprägende Art zu vernichten. „Wir verlieren die Eiche.“

Seit jeher hätten diese Bäume in unserem Breitengrad menschliche Hilfe benötigt. Die großen Eichen in vielen Dorfmitten und Allee seien ja auch gepflanzt worden. Jetzt zu sagen, der Mensch nehme mit der EPS-Bekämpfung schädlichen Einfluss in die Natur, lässt Sudenfeld nicht gelten. Immerhin biete eine Eiche rund 1600 Arten Lebensraum, aber immer mehr große Bäume stürben derzeit. „Mit so viel Totholz, wie wir von den Eichen kriegen, kann der Wald nichts anfangen“, fügt Sudenfeld hinzu. Und herausholen könne man es kaum: Die Verseuchung mit den Brennhaaren der Raupen macht eine Veräußerung unmöglich. „Der Wald ist immer auch ein wirtschaftlicher Faktor gewesen“, sagt Sudenfeld. „Und der EPS schadet dem massiv.“ Viele sähen die Landnutzer als die „Bösen“, aber gerade sie hätten ein echtes Interesse daran, die Landschaft zu schützen und fruchtbar zu halten.

Schon vor zehn Jahren hätten die Untere Naturschutzbehörde und Experten den Forstbetrieben erzählt, das EPS-Problem löse sich von allein, nach wenigen Jahren werde die Population einbrechen. „Die Natur hält sich aber nicht ans Lehrbuch“, sagt Sudenfeld. Ein Eingreifen sei für den Erhalt des Waldes notwendig.

Auch Parsaus Bürgermeisterin Kerstin Keil kann die Kritik vieler Umweltschützer nicht nachvollziehen. „Im Vorfeld hat sich niemand beschwert“, sagt sie, „nicht im Arbeitskreis, nicht auf der politischen Bühne.“ Den Einsatz des Bakteriums, das den Darmtrakt des EPS und anderer Falter zerstört, war auch mit der Naturschutzbehörde abgesprochen. „Wir konnten das nicht so lassen, das war der beste Weg“, sagt Keil. Wer die Bekämpfung des EPS verhindern will, soll den Leuten auch klar die Konsequenz präsentieren: „Dann sterben unsere Eichen.“

VON DENNIS TESCH

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