Truppenübungsgelände auf Streichliste des Verteidigungsministeriums

Ehra: Der „Platz“ schließt

Schlagbaum unten: Das gestern Vormittag bei Ehra-Lessien aufgenommene Foto der Einfahrt zum Truppenübungsplatz besitzt schon Symbolkraft. Foto: picture-alliance

Ehra-Lessien. Die Truppenreduzierung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière beendet eine Ära in Nordostniedersachsen: Der Landkreis Gifhorn verschwindet endgültig von der Landkarte der Bundeswehr.

Auf der gestern vorgestellten Standort-Streichliste steht auch der Truppenübungsplatz Ehra-Lessien.

Bundesweit soll für 31 Standorte das Aus kommen. Neben Ehra-Lessien sind in Niedersachsen die Garnison Schwanewede (1130 Dienstposten) und das Munitionsdepot Lorup im Emsland (40 Dienstposten) betroffen. An anderen Standorten plant die Hardthöhe zum Teil „signifikante Reduzierungen“, etwa in Celle, Munster und Lüneburg.

Wann genau für das 1740 Hektar große Areal bei Ehra der letzte Schlagbaum fällt, ist nach der Grundsatzentscheidung von gestern noch völlig offen. 2015 soll der Schrumpfungsprozess wohl beginnen; welcher Standort wann an der Reihe ist, wird die Feinplanung des Ministeriums zeigen, die bis zum Frühjahr 2012 vorliegen soll. Der Schieß- und Übungsbetrieb dürfte bei Ehra also vorerst weitergehen.

Auch über die persönliche Zukunft des Übungsplatz-Personals sind noch keine Entscheidungen gefallen. 70 Dienstposten gibt es nach offizieller Zählweise der Bundeswehr in Ehra-Lessien, zurzeit verrichten dort 7 Soldaten und 79 Zivilisten ihren Dienst.

Natürlich sei die Stimmung nun gedrückt, sagte der Leiter des Übungsplatzes, Hauptmann Stefan Büggener, gestern auf IK-Anfrage. Im Vorfeld habe man am Standort zwar „Hoffnungen und Befürchtungen“ gehabt, konkrete Anzeichen für oder gegen eine Schließung habe es aber nicht gegeben.

Die konkreten Gründe, die zur Entscheidung gegen Ehra-Lessien geführt haben, waren vom Verteidigungsministerium gestern nicht zu erfahren. Allgemeine Kriterien seien „Funktionalität, Kosten, Attraktivität und Präsenz in der Fläche“, sagte ein Sprecher der Bundeswehr.

Diese Präsenz wird nun allerdings im Isenhagener Land innerhalb von etwas mehr als 20 Jahren von 100 auf 0 geschraubt. Gehörten Soldaten einst zum Straßenbild, ist nach Dedelstorf (1994) und Wesendorf (2006) auch in Ehra-Lessien bald Schluss.

Eine spannende Frage könnte nun sein, ob durch die Standort-Entscheidung der Bundeswehr die Detailplanung für die A 39 bei Ehra noch einmal neu aufgerollt wird. Die neue Autobahn verläuft unmittelbar am Truppenübungsplatz, dieser soll auch eine Rolle bei den Planungen für die Tank- und Rastanlage gespielt haben. Ehras Bürgermeisterin Jenny Reissig bedauerte gestern die Schließung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare