Ehra-Lessien: VW-Pendler aus Berlin finden Unterkunft in Kaserne / Bahnstrecke beschädigt

„Das ist für uns eine Umstellung“

Es kommt auf den Preis an: Auf dem linken Bild ist die gehobenere Ausstattung mit einem abgetrennten Schlafbereich und Dusche im Zimmer zu sehen, während rechts der Charme eine Kaserne voll zum Tragen kommt.
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Es kommt auf den Preis an: Auf dem linken Bild ist die gehobenere Ausstattung mit einem abgetrennten Schlafbereich und Dusche im Zimmer zu sehen, während rechts der Charme eine Kaserne voll zum Tragen kommt.

Ehra-Lessien. Das Telefon steht nicht mehr still. Anfang August, mit dem Ende der Werksferien in Wolfsburg, sind die ersten VW-Pendler aus Berlin in die Kaserne in Ehra-Lessien eingezogen. In dieser Woche sind es bereits acht Personen.

Immer mehr Pendler nutzen das Angebot der Bundeswehr, Zeit zu sparen, denn erst Ende des Jahres sollen die Hochwasser-Schäden an der Bahnstrecke zwischen Berlin und Wolfsburg behoben sein.

Die Bundeswehr hat in Folge des Hochwassers reagiert und sieht die Mission als erweiterte Hochwasserhilfe an. Nicht nur für Peter Dohrmann vom Bundeswehr-Dienstleistungszentrum hat sich eine neue Situation ergeben: „Das ist für uns eine Umstellung, plötzlich sind wieder Leute vor Ort.“ Aber auch für die VW-Mitarbeiter ergibt sich etwas Neues. Onur Car lebt in Berlin und pendelt für gewöhnlich. „Ich bin gespannt, was auf mich zukommt. Auch wenn es hier besser ist, als ich erwartet habe, freue ich mich schon wieder darauf, ganz in Berlin zu leben“, meint Car. Was ihn erwartet ist eher spartanisch – Linoleum auf dem Boden, ein Bett, Sofa, Stuhl und ein Waschbecken. Auf dem Flur befinden sich Gemeinschaftstoiletten und duschen. Aber nicht nur Onur Car bevorzugt lieber die einfache Unterkunft, als täglich zusätzlich zwei Stunden länger zu pendeln. Je nach Schicht möchte er montags aus Berlin anreisen und am Freitag zurück in die heimatlichen Gefilden fahren.

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57 Unterkünfte stehen derzeit auf dem Truppenübungsplatz zur Verfügung. „Wir könnten auch rund 770 Personen unterbringen, aber ich bezweifle, dass jemand in einer Acht-Mann-Stuben wohnen möchte“, schmunzelt Bernd Heidelmann, Leiter des Service-Centers auf dem Truppenübungsplatz. Wie Dohrmann im IK-Gespräch erläutert, hätten sich die Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH und die VW Wohnungs GmbH gemeldet und nach Leerständen gefragt. „In Wolfsburg kann kein Mitarbeiter mehr untergebracht werden, alle Unterkünfte sind voll“, weiß Dohrmann. Bis Ende des Jahres plane die Bundeswehr, VW-Pendler zu beherbergen. Im Angebot stehen Einzel- und Doppelzimmer, von der einfachen Mannschaftsunterkunft für 4,70 Euro pro Nacht bis zur Offiziersstube für 13,50 Uhr pro Nacht.

Der Kantinenpächter ist zwar noch auf dem Truppenübungsplatz – allerdings lohnt es sich derzeit nicht, regelmäßig die Küche zu öffnen. „Es sind noch zu wenige Leute da, außerdem wird in unterschiedlichen Schichten gearbeitet, Frühstück wird erst angeboten, wenn es sich lohnt“, erklärt Dohrmann. Das Schichtsystem macht es auch so schwierig, beispielsweise die Zimmer zu reinigen. „Man weiß ja nie, wer wann arbeitet. Einmal in der Woche wird sauber gemacht“, berichtet Dohrmann. Für Bettwäsche ist gesorgt, die muss keiner mitbringen.

Eine Anfrage gab es laut Dohrmann auch schon aus Emden. Allerdings sei demjenigen das „Begleitprogramm“ zu Mager gewesen. „Hier gibt es eben sehr viel Landschaft, aber das nutzen einige auch zum Joggen – der Sport steht hier im Vordergrund“, weiß Dohrmann. Um problemlos auf das Gelände zu kommen, erhalten die Gäste einen Ausweis, auch die Wache weiß natürlich Bescheid. Mietverträge werden vor Ort ausgestellt. Und da klingelt auch schon wieder das Telefon.

Von Carola Hussak

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