Umweltschützer wittern Bevorzugung von VW, Landkreis weist das zurück

Ehra-Lessien: A 39, Rastplatz und Volkswagen-Prüfgelände unter der Lupe

+
Der Landkreis gab grünes Licht für die Erweiterung des VW-Prüfgeländes bei Ehra-Lessien. Umweltschützer sehen eine Bevorzugung im Vergleich zu Tank- und Rastanlagen im Zuge des Baus der A 39. 

Ehra-Lessien – Kürzlich genehmigte der Landkreis Gifhorn nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung die Erweiterung des Volkswagen-Prüfgeländes bei Ehra-Lessien (das IK berichtete).

Nun gab es dazu Kritik vom Landesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU) Niedersachsen.

Der stellt kritische Fragen, denn VW plant auf der Teststrecke die Rodung von zehn Hektar Wald und die Versiegelung von 122 000 Quadratmetern Boden, um Fahrassistenzsysteme zu prüfen. Dies sei dort „laut Umweltprüfung unbedenklich“, rekapituliert der LBU. „Gleichzeitig aber argumentierten die A-39-Planer immer noch, dass man aus Umweltgründen dort (westlich neben dieser Teststrecke) keine Tank- und Rastanlage bauen könne“, so der LBU. Dies sei zuletzt vor einigen Wochen bei einer Veranstaltung in Uelzen von Vertretern der Straßenbaubehörde so behauptet worden. Eine Rastanlage an dieser Stelle, neben dem VW-Testgelände, könnte aber laut LBU die bisher geplante Tank- und Rastanlage bei Jembke, wo Anwohner und Landwirte starke Beeinträchtigungen fürchten, überflüssig machen.

Gänzlich unterschiedliche Verfahren, unterschiedliche Eigentumsverhältnisse.

1. Kreisrat Dr. Thomas Walter

LBU-Vertreter Eckehard Niemann meint, dass für den VW-Konzern keine anderen Umweltschutz-Maßstäbe gelten dürften als für betroffene Gemeinden und Bürger. Er fordert, dass sowohl die Erweiterung des VW-Testgeländes als auch der Bau einer Tank- und Rastanlage im Rahmen eines „fairen Gesamtkonzeptes für diesen Standort rasch“ überprüft werden. „Andernfalls drohten Klagen.“

Auf die Vorwürfe der Bevorzugung angesprochen, erläutert der Erste Kreisrat Dr. Thomas Walter, dass die Volkswagen AG auf ihrem Prüfgelände bei Ehra eine Erweiterung im Bereich des bestehenden Prüfplatzes plant. Es sei zutreffend, dass dazu im Wesentlichen Fahrbahnen erweitert werden.

„Die neue Versiegelung betrifft folglich nur vorhandene Flächen auf dem VW-Testgelände“, so Walter. Das Regenwasser versickere seitlich oder fließe in dafür vorgesehene Versickerungsbecken. Auch soll zwischen Fahrbahn und Waldrand künftig mehr Platz sein. „Dafür müssen einige Bäume gefällt werden“, erläutert Walter.

Auf der anderen Seite plane die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Bau der Bundesautobahn A 39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg und prüfe mögliche geeignete Trassen. Und Standorte für Tank- und Rastanlagen. „Bei dieser Prüfung sind Standorte außerhalb eines Waldes aus Sicht des Naturschutzes deutlich verträglicher, weshalb manche Standorte verworfen wurden“, sagt Walter. „Da es sich um zwei gänzlich unterschiedliche Verfahren, unterschiedliche Eigentumsverhältnisse und hieraus resultierende unterschiedliche Zuständigkeiten handelt, ist das Ansinnen des LBU im Rahmen eines ‘Gesamtkonzeptes’ nicht realisierbar“, so Walters Fazit aus dem ihm vorliegenden Fakten.

VON DENNIS TESCH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare