Keine komplette Räumung

Ehemaliger Truppenübungsplatz bei Ehra-Lessien: Kampfmittel werden weiter entfernt

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Auf dem ehemaligen Gelände des Truppenübungsplatzes in Ehra-Lessien gibt es auch heute noch Kampfmittel. Eine komplette Räumung wird nicht möglich sein.

Ehra-Lessien – Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Ehra-Lessien befinden sich immer noch Kampfmittel. Wie genau wird damit umgegangen, wie geht es für das Gelände weiter? Das IK hat sich bei der Bundesanstalt für Immibilienaufgaben (BImA) umgehört.

1620 Hektar umfasst das Gelände bei Ehra-Lessien, das viele Jahre für militärische Zwecke benutzt wurde. Von 1936 bis 2013 unterlag es einer vielfältigen Nutzung, berichtet Thorsten Grützner von der BImA. Noch immer ist die Fläche mit Kampfmitteln belastet. 294 Hektar noch. Das wurde in einer von der Bundeswehr ermittelten Studie deutlich.

Einfach so betreten darf das Gelände von niemandem werden. „Der Landkreis beschränkt das bereits seit 2013, um Gefahren abzuwehren“, erklärt Grützner. Seit diesem Jahr laufen die Arbeiten auf dem Gelände wieder. „Auf Flächen, auf denen sich Kampfmittelrisiken bei vorherigen Untersuchungen herausgestellt haben, wird seit Februar wieder gearbeitet, um das Gelände weiter zu sichern.“

Die Reichsluftwaffe nutzte den Truppenübungsplatz unter anderem als Versuchsstelle für Sprengungen und als Bombenabwurfplatz. In der Nachkriegszeit sprengte und vergrub das Bombenräumkommando Niedersachsen dort Kampfmittel. Später nutzten der Bundesgrenzschutz, die Bundeswehr sowie Partner der NATO das Gelände.

„Deshalb sind auf der Liegenschaft sehr unterschiedliche Kampfmittel anzutreffen, die auch mengenmäßig unterschiedlich verteilt sind“, erklärt Grützner. So zählen beispielsweise Wurfgranaten, Panzerfäuste, Minen, Handgranaten und Handwaffenmunition dazu, aber auch chemische Kampfstoffe. „Letztere wurden noch in der Zeit, als die Bundeswehr das Gelände genutzt hat, vollständig entsorgt.“

Um die Altlasten weiter entsorgen zu können, hat das BImA ein Handlungskonzept erstellt. Damit können die Gefahrenabwehr und der Brandschutz sichergestellt werden. Damit wird eine Infrastruktur für die Polizei, Feuerwehr und den Katastrophenschutz sichergestellt, sollte es zu einem Notfall kommen. Es gibt sichere Fahrwege, Brandschutzstreifen und Löschwasserentnahmestellen. „Inhaltlich umfasst das Konzept darüber hinaus die Darstellung der Kampfmittelrisiken“, weiß der Experte.

Auf dem Gelände haben seit 2015 spezielle Kampfmittelräumfirmen die Erkundung aufgenommen. Zwischen November 2018 und März 2019 wurden auch die Bereiche entlang der Brandschutzstreifen mittels Testfeldräumungen erkundet. „Inzwischen sind verschiedene Brandschutzstreifen im Inneren des ehemaligen Truppenübungsplatzes bereits als Löschlinien für die Einsatzkräfte nutzbar“, bestätigt Grützner den Erfolg der Maßnahmen.

Mit den im Februar erneut aufgenommenen Arbeiten sollen weitere Löschlinien für Einsatzkräfte nutzbar gemacht werden. Im Katastrophenfall soll damit das direkte Eingreifen am Entstehungsort möglich gemacht werden. Fest steht aber auch: Flächendeckend ist eine Herstellung der Kampfmittelfreiheit des Gebietes nicht möglich. „Da sprechen wir von Gründen der Verhältnismäßigkeit, der technischen und finanziellen Möglichkeiten sowie des Naturschutzes und der Landschaftspflege.“

VON HILKE BENTES

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