Fluthilfe

Drei Männer aus der Samtgemeinde Brome unterstützen im Ahrtal

Helferwerkstatt im Ahrtal
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Hilfe aus der Samtgemeinde Brome: Uwe Domition (v.l.), die Lübeckerin Sabine Zange, Peter Ducksch und Wilm Borchert haben in den zerstörten Gebieten im Ahrtal mit angepackt.
  • Hilke Bentes
    VonHilke Bentes
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Bergfeld/Zicherie/Walporzheim– Erst seit wenigen Tagen sind die beiden Bergfelder Uwe Domition und Wilm Borchert sowie Peter Ducksch aus Zicherie wieder zurück in ihrer Heimat. Gerade Zeit genug, diesen schmierigen, hartnäckigen Schlamm aus ihren Klamotten zu waschen und sich über die kleinen Annehmlichkeiten des Alltags zu freuen. Eine warme Dusche zum Beispiel, für die sie nicht durch den völlig unbewohnbaren Teil eines ehemaligen Seniorenheims schreiten müssen, in dem sie die vergangene Woche übernachtet haben.

Die drei Männer sind aus dem krisengebeuteltem Ahrtal wiedergekommen. Bereits zum zweiten Mal haben sie dort, wo im Sommer Tausende ihr Zuhause und Hunderte ihr Leben verloren, mit ihren handwerklichen Fähigkeiten geholfen, um das wieder aufzubauen, was die dort beheimateten Bewohner in den Fluten verloren haben.

Ein Bild der Zerstörung

Demütig und ergriffen sind die drei Männer von dem, was ihnen in ihrer Zeit als Fluthelfer begegnet ist. Die Schicksale hunderter Menschen haben sie auf unterschiedlichste Weise mitbekommen. Und die Bilder der Zerstörung, die viele andere nur aus dem Fernsehen kennen, haben sie in ihrem gedanklichen Gepäck mit nach Hause genommen.

Aber von vorne: Auch Uwe Domition, in Bergfeld als Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr tätig, verfolgte Mitte Juli die Nachrichten, die auf die Flutkatastrophe folgen sollten. „Mich hat das sehr mitgenommen, ich habe das gefühlt ständig bei Facebook verfolgt“, erzählt der Bergfelder. Mit Blick auf seine Tätigkeit als Feuerwehrmann hatte er damit gerechnet, ebenfalls zur Hilfe gebeten zu werden. „Doch das blieb hier im Landkreis aus, so habe ich über meine privaten Möglichkeiten nachgedacht.“

In der Helferwerkstatt in Walporzheim kümmerten sich die Männer um kapuute Gerätschaften.

Schnell waren in Wilm Borchert und Peter Ducksch Gefährten gefunden, die sich ebenfalls ins Ahrtal aufmachen wollten. „Wir mussten dann noch etwas organisieren, aber dann sollte es losgehen.“ Da sich die drei in unterschiedlichster Form als Experten für Maschinen und allerhand Reparatur-Geschick ausweisen können, wollten sie unbedingt mit „Mann-Power“ vor Ort helfen.

Die Helferwerkstatt als Anlaufpunkt

Ein Auto voller Werkzeug begleitete die drei Männer in die Flutgebiete. In der Helferwerkstatt in Walporzheim fanden sie einen Anlaufpunkt, wo sie mit ihren Fertigkeiten sofort anpacken konnten. Rings um sie herum nahmen sie die zerstörte Umgebung wahr, die unbewohnbaren Häuser, die Verzweiflung der Menschen. Aber in ihren Zwölf-Stunden-Schichten, die sie pro Tag absolvierten, konnten sie auch viel Gutes erreichen. „Da gab es so unglaublich viel zu tun“, erinnert sich Borchert.

Der Schlamm und das Wasser, die Häuser zum Einsturz gebracht hatten, sollten auch in den alltäglichsten Gegenständen wüten. Sei es Traktoren der Weinberg-Bauern, die teils komplett fahruntauglichen Autos und Fahrräder oder auch alltägliche Geräte und Maschinen. Ein „Geht nicht“ gab es bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Helferwerkstatt nicht.

Die Männer erinnern sich an die eingestürzten Brücken und Straßen, die ihnen auf ihrem Weg ins Ahrtal begegneten, und an die trügerisch plätschernde Ahr, die für so viel Leid gesorgt hatte. „Es ist anders, wenn man das in Farbe und in echt sieht.“ Domition sagt, dass das nichts mit den Eindrücken zu tun habe, die man auf seiner warmen Coach vor dem Fernseher mitbekam.

Bewegende Schicksale

Die Fluthelfer erinnern sich an unterschiedlichste Schicksale, die ihnen während ihrer Arbeit an den Geräten begegneten. „Da war dieses 20-jährige Mädel, die über die Nacht berichtete, als die Fluten über das Haus ihrer Mutter hereinstürzten.“ Diese Leute hätten in diesen Minuten alles verloren. „Da war nicht Zeit, um nach der Geldbörse zu greifen. Für dieses Mädchen und ihre Mutter ging es in Sekunden um ihr Leben.“

Um das Auto, das völlig defekt war, kümmerten sich die Männer. „Und wir konnten es wieder zur Fahrtüchtigkeit bewegen.“ So viel Dankbarkeit hätten sie in ihrer Zeit erfahren. „An Häusern, die überhaupt nicht mehr bewohnbar waren, hingen überall große Plakate oder aufgesprühte Worte des Dankes“, sagt Domition. Auch wenn viele von ihnen alles verloren hatten, überschütteten sie die Helfer mit ihrem großen Dank.

Am Neujahrstag ging es für die Männer erneut für eine Woche an die Ahr. Der Anblick der Flutgebiete hat sich seit ihrem ersten Besuch nur marginal verändert. „Viel hat sich beim Wiederaufbau noch nicht getan.“ Zu wenig eigene finanzielle Mittel, zu wenig Unterstützung. „Da stehen viele Menschen noch immer vor dem Nichts, das nimmt einen schon mit“, beschreibt Domition.

Die Stimmung vieler Bewohner habe sich in Hoffnungslosigkeit verwandelt. „Die Perspektive fehlt.“ Gab es anfangs noch viele Helfer, hat sich das nun auch relativiert. Stattdessen kommen „Katastrophentouristen“ in die Gebiete. Die drei Männer aus der Samtgemeinde Brome wollen allerdings gerne noch einmal ins Ahrtal fahren, um zu helfen. „Das bedarf einer großen Organisation, was weitere freie Urlaubstage und so weiter angeht. Aber vorstellen können wir uns das definitiv.“

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