Sülfelder Michael Arndt untersucht Zicherie und Böckwitz in seiner Masterarbeit / Mühlenplauderei am 7. Februar

Doppeldorf im Fokus der Forschung

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Lange Zeit unvorstellbar: Freie Fahrt zwischen Böckwitz und Zicherie. Die innerdeutsche Grenze wurde zwangsläufig zum Alltag der Menschen auf beiden Seiten des Doppeldorfes – und wirkt bis heute nach. Das ist Thema der Arbeit von Michael Arndt.

Zicherie/Böckwitz. Über die bewegte Zeitgeschichte der beiden Dörfer Zicherie und Böckwitz wurde schon viel berichtet.

Nun ist das Doppeldorf auch Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit geworden: Der 26-jährige Sülfelder Michael Arndt untersuchte in seiner Masterarbeit das dortige alltägliche Leben zur Zeit der innerdeutschen Teilung und heute. Die Ergebnisse seiner Arbeit wird er zudem im Rahmen einer Mühlenplauderei präsentieren.

Im Mittelpunkt seiner Examensarbeit stehen dabei nicht die großen Geschichten, wie Arndt erklärt, „sondern der Alltag, der neben den Anekdoten liegt.“ Elf Bewohner aus Zicherie und Böckwitz, alle anonymisiert, hat der angehende Lehrer für Englisch und Geschichte ausführlich befragt. „Ohne diese wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Herausgekommen ist eine mehr als 200 Seiten starke Arbeit, die einen Einblick in das Leben der Menschen mit der Grenze und die Zeit danach gibt.

Durch seinen Dozenten Dr. Michael Ploemus von der TU Braunschweig, der über frühere Zonenrandgebiete forsche, sei er auf das Thema aufmerksam geworden, so Arndt. Das Alltagsleben im ehemaligen Grenzgebiet sei noch immer ein relativ unerschlossenes Thema. Rund eineinhalb Jahre später, eine Zeit intensiver Auseinandersetzung mit dem Doppeldorf, ist Arndt tief beeindruckt: „Das war bisher das Größte, was ich in meinem jungen Leben gemacht habe. Das prägt mich auch“, erklärt er.

„Wie so ein Meer...“ lautet der Titel seiner Masterarbeit. Eine Umschreibung eines Interviewpartners für die Stelle, an dem die Welt damals zu Ende zu sein schien. Wie im Zonenrandgebiet habe man sich auch im DDR-Sperrgebiet mit der früheren Grenze arrangieren müssen, erklärt der Sülfelder. „Hier geht’s nicht weiter“, wurde ballspielenden Zicherier Kindern klargemacht. Pragmatismus dagegen herrschte in Böckwitz: Es sei halt nicht anders gegangen, man habe stillgehalten, um die Heimat nicht zu riskieren. Insgeheim habe man auf eine Wiedervereinigung gehofft.

Mehr als zwei Jahrzehnte später sei das Thema bei der älteren Generation nach wie vor in den Köpfen, während es für die Jüngeren oft nur noch schwer nachvollziehbar sei. Dennoch bemühten sich beide Orte um eine gemeinsame Erinnerungskultur und gute Beziehungen zueinander. Der oft benutzte Kosename „Klein-Berlin“ aber sei ein Mythos. „Man ist nicht Freund, nicht Feind“, meint Arndt zur heutigen Situation. „Leider bildet nun die Grenze zwischen den Bundesländern eine neue, umgeformte, soziale Grenze“

„Man könnte noch viel weiter forschen“, meint Arndt. Wichtig ist für ihn deshalb, dass seine Ergebnisse nicht als allgemeingültig, sondern als exemplarische Einblicke und „Mosaiksteinchen“ in die Zeitgeschichte von Zicherie und Böckwitz verstanden werden. „Es ist nicht das große Handbuch der beiden Orte.“

Besonders freut sich der Wissenschaftler darauf, seine Forschungsarbeit demnächst bei einer Mühlenplauderei in Brome zu präsentieren. In den Fokus rücken will er dabei vor allem die lebensgeschichtlichen Erinnerungen seiner Interviewpartner. „Das ist ein perfekter Abschluss und rundet das Ganze nochmal ab.“

Von Alexander Täger

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