„Diskussion vergiftet Atmosphäre“

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Noch steht nicht fest, wie es mit dem Bromer Gemeindehaus weitergeht.

Brome- Von Detlev E. Deipenau. In Sachen Abriss und Neubau des Bromer Kirchengemeindehauses wird von Befürwortern und Gegnern gleichermaßen fleißig hinter den Kulissen gearbeitet – und kontrovers in der Bevölkerung diskutiert.

So meldete sich am Donnerstag der „ehrenamtliche Baubeauftragte der Kirchengemeinde Brome“, Adolf Bannier, in einem Schreiben an das IK zu Wort. Darin fordert er unter anderem zu einer „sachbezogenen Kritik für Vor- und Nachteile hinsichtlich Sanierung oder Neubau“ auf. Des Weiteren weißt Bannier darauf hin, dass eine Sanierung oder ein Umbau des Gebäudes keine finanzielle Förderung aus Mitteln der Landeskirche erfahren wird. Bannier vertritt ebenso die Auffassung, dass eine Sanierung auch den Rückbau des „nicht mehr benötigten Dachgeschosses“ einschließen müsse. Mit einem Neubau hingegen, so der ehemalige Fleckenbürgermeister, werden „angemessene Räumlichkeiten, die den Bedürfnissen aller am Gemeinwohl Interessierten, auch für Nachfolgegenerationen geschaffen“.

Inzwischen hat sich neben dem Museums- und Heimatverein (MHV) ein weiterer prominenter Bromer - auch gegen einen Teilabriss - ausgesprochen. Stattdessen plädiert Fritz Boldhaus dafür, Teile des bisher nicht genutzten Dachgeschosses im Zuge einer Sanierung für die Unterbringung des Kirchenarchivs auszubauen. Dadurch werde, so Boldhaus weiter, im Erdgeschoss genug Platz für die Erweiterung der Küche und den Einbau neuer Sanitärräume frei.

Was gegen eine Sanierung der 1852 errichteten Gemäuer sprechen könnte, sind allerdings die immens hohen finanziellen Mittel die notwendigerweise aufgewendet werden müssten, um das Gebäude mit einer effizienten Wärmedämmung und neuer technischer Ausstattung auf den gesetzlich geforderten Mindesstandart für öffentliche Gebäude, auszurüsten.

Da sich die Lokale Aktionsgruppe für die Vergabe öffentlicher Fördermittel aus dem Leader-Programm (LAP) in ihrer Sitzung am vergangenen Dienstag nicht zu einer endgültigen Entscheidung durchringen konnte, ist der Antrag der Liebfrauengemeinde an den Kirchenvorstand mit der Auflage zurückgegangen, bis zur nächsten Sitzung der Aktionsgruppe am 24. März, weitere Details hinsichtlich der Finanzierung, vorzulegen. Wie der Vorsitzende des LAP, Wesendorfs Samtgemeindebürgermeister Walter Penshorn, auf IK-Nachfrage mitteilte, ist eine Förderung durch Leader möglich, wenn das Projekt mit der gleichen Summe von der zuständigen Kommune bezuschusst wird. Hier ist also der Vorstand der Liebfrauenkirche dringlichst gehalten, seine „Hausaufgaben zu erledigen“.

Wie hierzu aus Ratskreisen verlautet, seien im vergangenen Jahr allerdings bereits zwei Anträge auf Gewährung von Fördermitteln beim Flecken gestellt worden. Entschieden worden ist darüber bisher nicht.

In einer kurzfristigen Umfrage (nicht repräsentativ) zeigte sich, dass sich eine deutliche Mehrheit der Bromer Bürger für den Erhalt und somit für eine Sanierung des ehemals alten Schulhauses an der Bromer Hauptstraße ausspricht. Allerdings ist diese Aussage auf die explizite Frage, ob sie sich denn mit einem Neubau in einer der Umgebung angepassten Form anfreunden könnten, von den meisten Befragten relativiert worden. Ebenso unterschiedlich stellt sich diesbezüglich vornehmlich jüngeren Erwachsenen - die nach eigener Aussage „mit der Kirche nichts am Hut haben“ die Frage nach der Rechtmäßigkeit der aus Steuermitteln finanzierten Förderprogramme. „Kirche und Staat sind getrennt“, lautet dabei die vorherrschende Meinung. „Andererseits“, so eine betagte Bromer Bürgerin, „werden Sport- und Schützenvereine ja ebenfalls aus Steuergeldern bezuschusst, obwohl davon auch nur wieder ein kleiner Teil der Bevölkerung etwas hat“.

Kritisch zu der in Kreisen mittlerweile hitzig geführten Diskussion äußert sich Ratsherr Henning Flegel (CDU), der unter anderem dem MHV anlastet, die öffentliche Debatte zu einem Zeitpunkt in Gang gesetzt zu haben, „als von Pastor Günter Proft krankheisbedingt keine Stellungnahme zu diesem Thema erwartet werden konnte“. Eine Erklärung seitens des MHV, stand bei Redaktionsschluss noch aus.

Einen Schritt in die richtige Richtung hat der Kirchenvorstand hingegen bereits getan, indem er den MHV zu einer Diskussionsrunde eingeladen hat. Bleibt zu hoffen, dass bei diesen Gesprächen ein breiter Konsens erzielt werden kann. Zumindest, so hofft die Bromer Bevölkerung, sollte damit der öffentlich ausgetragenen Debatte die Schärfe genommen werden. Schließlich sorgt der Verlauf der geplanten Umgehungsstraße wohl noch eine geraume Zeit für hitzige Debatten in der Bürgerschaft des Fleckens.

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