Schlechte Zukunftsprognosen

Waldschäden rund um Rühen und Parsau

Eichenprozessionsspinner in Rühen.
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Der Zustand der heimischen Wälder ist ein Problem: Nicht nur die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners führt zu Bestandsschäden – auch durch Trockenheit und den Borkenkäfer leiden die Wälder
  • Hilke Bentes
    VonHilke Bentes
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Rühen/Parsau – Seit mehreren Jahren wütet der Eichenprozessionsspinner in den Wäldern in der Samtgemeinde Brome. Gerade im Bereich Rühen und Parsau wurden bereits massive Schäden der Bestände gemeldet.

Die Ausbreitung der Schmetterlingsart ist damit nicht nur für die dort lebenden Menschen ein Problem – auch die Wälder leiden. Doch längst nicht nur der Raupen-Befall schwächt den Bestand.

Andreas Baderschneider ist Forstamtsleiter beim Forstamt Wolfenbüttel der Niedersächsischen Landesforsten. Rund 16 400 Hektar Wald werden zwischen Hämelerwald, Helmstedt, Brome und Wolfenbüttel bewirtschaftet. Darüber hinaus werden in diesem Raum etwa 10 600 Hektar Waldfläche anderer Waldeigentümer betreut. Und besonders die Wälder in den Gemeinden Parsau und Rühen bereiten Baderschneider Sorgen.

Denn: „Aktuell treten wieder verstärkt Schäden durch den Eichenprozessionsspinner in dem Gebiet auf“, erklärt der Forstamtsleiter auf IK-Nachfrage. Betroffen seien sowohl die Eichenbestände als auch alle übrigen (Misch)-bestände, weil die Eiche fast flächendeckend als Mischbaumart vorhanden ist. Die Schäden an den Bäumen sind auch für das bloße Auge ersichtlich: Kennzeichnend sind Kronenverlichtungen und Absterbe-Erscheinungen von Ästen, Kronenteilen und ganzen Bäumen. „Es gibt auch Bestandsteile mit flächigem Absterben der Eichen“, so Baderschneiders Fazit. Die restlichen Fichtenbestände würden derzeit der Trockenheit und dem Borkenkäfer zum Opfer fallen.

Aber auch andere Reize machen es den heimischen Wäldern schwer: „Die Bäume sind durch die Überflutungen in 2017 und durch die extreme Trockenheit der Jahre 2018 bis 2020 stark geschwächt“, erklärt der Experte. Damit sind viele Wälder schon massiv vorgeschädigt. „Der Eichenprozessionsspinner und andere Schmetterlingsraupen wie zum Beispiel Frostspanner oder Eichenwickler kommen als weitere Stressfaktoren hinzu.“ Bei mehrjährigem Kahlfraß trete somit häufig das Absterben der Eichen ein.

Der derzeitige Zustand ist auch für die in den Wäldern arbeitenden Menschen ein Problem. Der Einsatz von Arbeitskräften in den betroffenen Wäldern unterliegt daher auch strengen Regelungen des Arbeitsschutzes, wie Baderschneider deutlich macht. „Die Arbeitsschutzregeln der Niedersächsischen Landesforsten werden für den Einsatz in EPS-Gebieten aktuell konkretisiert.“ Das heißt: Die Holzernte erfolgt fast ausschließlich maschinell durch Maschinen mit Fahrerkabinen und Luftfiltern. Leichtere manuelle Arbeiten mit geeigneter Schutzkleidung sind laut dem Forstamtsleiter bei feuchter Witterung jedoch noch möglich.

Blickt Baderschneider auf die kommenden Jahre in dem Waldgebiet bei Parsau und Rühen, dann ist er nicht so optimistisch. „Es wird zu einem weitgehenden Verschwinden der Eichen führen“, sagt er. Vielerorts sei bereits jetzt eine starke Verbuschung festzustellen. Viele Bestände müssten durch Pflanzung, Saat oder vereinzelte Naturverjüngung neu begründet werden. Dabei ist der Eingriff von menschlicher Hand nur bedingt möglich. „Vorbeugend fördern die Niedersächsischen Landesforsten den Vogel- und Insektenschutz im Wald“, erklärt Baderschneider. Und Jahr für Jahr wird geprüft, ob ein intensives und sehr aufwendiges Monitoring mit dem Ziel der Prüfung einer flächigen Pflanzenschutzmaßnahme erforderlich ist. „In 2021 wird dies nicht erfolgen.“ Die letzte Befliegung mit einem biologischen Pflanzenschutzmittel erfolgte in Kooperation der Landesforsten im Jahr 2019. Das hatte mit Gründen des Schutzes der im Wald arbeitenden Menschen und der erholungssuchenden Bevölkerung zu tun.

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