Verein „Katachel“: 420 Witwenfamilien, Waisen und Behinderte unterstützt / 36 Ausbildungsplätze im Nähprojekt

„Die Mühen haben sich gelohnt“

Positives Gespräch mit den Ältesten aus 14 Dörfern: Es soll eine kleine Arztpraxis eröffnet werden.
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Positives Gespräch mit den Ältesten aus 14 Dörfern: Es soll eine kleine Arztpraxis eröffnet werden.

Bergfeld/Kunduz. Die Temperaturunterschiede machen Sybille Schnehage zu schaffen. In der vergangenen Woche kehrte sie nach knapp dreieinhalb Wochen von ihrem jüngsten Besuch in Kunduz nach Bergfeld zurück. „Dort waren es fast 40 Grad und hier nur noch 10“, meint Schnehage.

Dennoch freut sich die Vorsitzende des Vereins „Katachel“, wie positiv sich das Projekt in den vergangenen Monaten entwickelt habe, so dass sich die Mühen gelohnt haben.

Speiseöl, Geld und Süßstoff konnte Schnehage an 420 Witwenfamilien, Behinderte und Waisenkinder mit Berechtigungskarte verteilen. „Zucker ist in Afghanistan sehr teuer“, berichtet die Bergfelderin dem IK. Zwar konnte der Verein den Bedürftigen helfen, aber dennoch kämen immer viele Frauen mit ihren Kindern und würden um Unterstützung betteln.

„Ein wichtiges Projekt ist inzwischen unsere Nähausbildung für junge Mädchen und Frauen. Durch die Erweiterung des Vereinshauses konnten wir mehr Räume für die Nähmaschinen zur Verfügung stellen, so dass sich die Anzahl der Schülerinnen auf 36 verdoppelt hat“, berichtet Schnehage. Das ziehe natürlich entsprechende Folgekosten nach sich. Jedes Mädchen erhält nach bestandener Prüfung eine eigene Nähmaschine.

Wie Schnehage sagt, würden viele Mädchen und Frauen nachfragen und wollen eine Nähausbildung machen. Daher soll das Projekt vergrößert werden. Was fehlt sei das Geld für die Lehrerinnen, Stoffe, Garne oder Reparaturen. Schnehage: „Das alles muss auch finanziert werden.“ Von den im Projekt genähten Kleidern konnten 90 an arme Schülerinnen der Gazi Khan Schule übergeben werden. Für die Jungen gab es Fußballtrikots und Bälle für acht Mannschaften.

Aber auch Hilfsgüter konnten an Ärzte verteilt werden – darunter Hebammen-Taschen, ein EKG- und ein Ultraschall-Gerät sowie ein Mikroskop. Behinderten konnte mit fünf Prothesen ein neuer Weg in die Zukunft geebnet werden. „Nach langen Gesprächen mit den Ältesten von 14 Dörfern wollen wir in Zukunft – wenn es denn möglich ist – dort in der Gegend eine kleine Arztpraxis eröffnen, um den Menschen der ländlichen Region den Zugang zu bezahlbarer medizinischer Versorgung zu ermöglichen“, blickt Schnehage in die Zukunft.

Ein weiterer großer Schritt konnte getan werden bezüglich der Flächen, die der Verein im Dorfteil Katachelarab besitzt. Dort, so Schnehage, sei es nach Verhandlungen möglich geworden, die Flächen zu bewässern, so dass aus Wüstenland fruchtbarer Boden werden kann. Die Ernte soll den Armen des Projektes zugute kommen. Im Dorf Tshar Khau soll ein Tiefbrunnen für sauberes, salzarmes Trinkwasser entstehen.

Im kommenden Jahr feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen. „Wir waren alle ganz überrascht, als der Minister für Hilfsorganisation der Provinz Kunduz uns eine Ehrenurkunde für hervorragende Arbeit über solch einen langen Zeitraum überreichte“, zeigt sich die Bergfelderin noch immer überrascht. Diese Urkunde gebühre allen Frauen und Männern, die durch ihre Spenden das Leid der Armen mildern konnten.

In Kunduz wird damit gerechnet, dass die Bundeswehr im Herbst das PRT Camp verlassen wird. Viele Menschen würden daher die Zukunft mit Bedenken und Angst sehen. „Die Sicherheitslage ist ohne internationale Hilfe ungewiss“, meint Schnehage. Dennoch ist sie davon überzeugt, dass die Bedürftigen weiter versorgt werden.

Von Carola Hussak

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