Ein großes Thema

Demenz-Vortrag in der Mensa der Rühener Hauptschule  

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Astrid Korte (l.) erklärte rund 60 Interessierten die Grundzüge der Alzheimerkrankheit in einem Vortrag.

Rühen – Man muss mit seinen Problemen nicht alleine fertig werden. Das stellen immer mehr Menschen fest. Auch die rund 60 Besucher des von der Samtgemeinde Brome und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft initiierten Vortrages über Demenz gehören dazu und gründen spontan eine Selbsthilfegruppe für Angehörige.

Mit so viel Resonanz hatte man nicht gerechnet und musste noch einige Stühle dazustellen, bevor der Demenzvortrag „Verloren in Zeit und Raum“ in der Mensa der Rühener Hauptschule starten konnte.

Samtgemeindebürgermeisterin Manuela Peckmann begrüßte alle Anwesenden und zeigte sich erfreut über deren große Zahl: „Man sieht, dass Demenz ein großes Thema in der Gesellschaft ist.“ Denn die Zuhörer kamen aus allen Altersklassen zu dem Vortrag, den Astrid Korte und Brunhild Rieger von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft im Landkreis Gifhorn hielten.

Dabei stellte Korte die Krankheit vor. Alzheimer macht mit bis zu 70 Prozent einen Großteil der unter Demenz zusammengefassten Leiden aus. „Es zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten“, erklärte Korte. Der Arzt Alois Alzheimer beschrieb ab 1902 als erster diese Krankheit. „Seitdem hat man nicht viele Fortschritte gemacht“, bedauerte Korte.

Hervorgerufen werden die drei Stadien des Verfalls durch Plaqueablagerungen im Gehirn. Es entstehen Löcher im Gewebe. Medikamente können dem eine Zeit lang entgegenwirken, daher ist eine Diagnose durch einen Neurologen wichtig. Aber da die Ursache unbekannt ist, kann der Prozess weder umgekehrt noch aufgehalten werden.

Die Betroffenen verlieren durch die Schäden im Hirn nach und nach ihr Selbst, entwickeln sich schrittweise in die Hilflosigkeit von Kleinkindern zurück. Dabei kommt es immer wieder auch zu Depressionen, da die Patienten ihren Verfall mit erleben. Oder zu Angstzuständen und Aggressionen. „Man verliert den Teil des Hirns, der rationalisiert“, erklärte Korte. Zudem seien die meisten Betroffenen aus einer Generation, die die Leiden eines Vernichtungskrieges erlebte. „Für viele sind Erlebnisse wie eine Vergewaltigung oder andere Gewalt aus ihrer Kindheit wieder da – als wäre alles gestern gewesen.“

Das Publikum stimmte den plastischen Darstellungen Kortes der Krankheit zu, zeigte sich besonders betroffen vom Verfall, der den Bildern des Alzheimerpatienten Carolus Horn anzusehen ist.

Auch an Riegers Teil des Vortrages, der sich mit dem richtigen Umgang mit Patienten beschäftigte, nahm man aktiv teil, stellte viele Fragen. „Im Kern geht es um Kommunikation und Verständnis“, fasste Rieger zusammen. Respekt, Ruhe und das Vermitteln von Sicherheit spielt dabei eine große Rolle. Mehr ist unter www.alzheimer-gifhorn.de zu erfahren.

Die Interessierten merkten schnell, dass sie Sorgen und Probleme teilen, und gründeten im Anschluss an den Vortrag eine Selbsthilfegruppe. Die Samtgemeinde plant weitere Vorträge zu dem Thema.

VON DENNIS TESCH

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