„Das kann böse werden“

Landwirtschaftsmeister Joachim Zeidler würde gerne auf den Einsatz der Beregnungsanlage verzichten. Aber das muss sein, denn die Landwirtschaft klagt über die Trockenheit. Foto: Post

Parsau. Das Wetter in diesem Frühjahr erfreut viele Menschen. Viel Sonne, wenig Regen, die Temperaturen haben mitunter frühsommerliche Temperaturen erreicht. Das Quecksilber steigt nun wieder auf über 20 Grad an. Bei den hiesigen Landwirten löst das keinen Freudenschrei aus.

Die hohen Temperaturen und mangelnder Niederschlag lassen die Felder ächzen. Die Beregnungsanlagen laufen auf Hochtouren, dennoch werden Einbußen bei der Ernte prognostiziert. Der Vorsitzende des Landvolks im Landkreis Gifhorn, Joachim Zeidler, spricht im IK-Interview über die Situation für die Landwirte, über deren Maßnahmen und gibt einen Ausblick. Der Parsauer hat einen Landwirtschaftsbetrieb und baut auf 220 Hektar verschiedene Kulturen an.

IK: Herr Zeidler, auf der Fahrt durch das Isenhagener Land zu ihnen gab es ein seltenes Ereignis in diesem Frühjahr: es regnete. Trotzdem liefen auf vielen Feldern die Beregnungsanlagen auf Hochtouren. Ist die Trockenheit so groß, dass die Pflanzen die doppelte Portion Wasser benötigen?

Joachim Zeidler: Der Regen, den wir hatten, bringt nicht viel. Wir hatten die Tage Verdunstungsraten von fünf bis sechs Millimeter pro Tag. Laut unserem Regenmesser in Parsau sogar drei Millimeter Niederschlag. Die Pflanzen haben schon Schaden genommen.

IK: Das sind keine guten Aussichten für die Landwirtschaft. Die Menschen freuen sich aber über die frühsommerlichen Temperaturen. Wie sehr sehnen sich die Landwirte Regen herbei?

Zeidler: Wir brauchen ergiebigen Landregen. Der würde der Natur etwas bringen. Für die Vegetation ist das, was wir bisher hatten, zu wenig. Unsere Nutzpflanzen brauchen momentan sehr viel Wasser, um entsprechend zu wachsen.

IK: Die Felder sind also nach wie vor zu trocken. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation mit Blick in die Zukunft ein?

Zeidler: Für unsere Region soll in den nächsten 14 Tagen nicht all zu viel vom Himmel fallen. Der Wasservorrat der Böden ist erschöpft. Das wird prekär.

IK: Was bereitet Ihnen als Landwirt die größte Sorge in Hinblick auf die Ernte?

Zeidler: Auf unberegneten Getreide- und Rapsflächen wird man soweit noch möglich keinen Aufwand mehr betreiben. Es kommt bei Getreide und Raps zu unterschiedlichen Bestandsentwicklungen und damit zu Qualitäts- und Ertragseinbußen. Es wird kein leichtes Jahr, wie es sich zur Zeit abzeichnet.

IK: Mit welchen Ernteeinbußen rechnen Sie?

Zeidler: Vorausschätzungen sind im Moment kaum möglich. Aber meiner Meinung nach könnten jetzt beim beregneten Getreide und Raps mindestens zehn Prozent, bei unberegneten Flächen sogar bis zu 30 Prozent Ertragsausfall eintreten. Wie Milchviehalter berichteten, sind beim ersten Schnitt des Grünlands Mindererträge von bis zu 25 Prozent aufgetreten und die Grasnarbe wurde durch die Trockenheit auf den leichten Standorten schon sehr stark geschädigt.

IK: Also am besten viel beregnen. Wenngleich die jedoch Kosten verursacht.

Zeidler: Mit der Beregnung kann man große Schäden begrenzen. Aber kaum ein landwirtschaftlicher Betrieb hat die Kapazitäten, um auf allen Flächen ausreichend zu beregnen, um eine normale Ernte einzufahren.

IK: Ist die Kurve noch zu kriegen, wenn es mehr regnet?

Zeidler: Das Entscheidende werden die nächsten drei, vier Wochen sein. Ein Vergleich: Ende Juni 2010 hatten wir eine Wasserbilanz, wie wir sie jetzt haben. Als es so heiß war, hatte der Boden mehr Wasser als jetzt. Das kann böse werden.

Von Benjamin Post

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