Rühen: Nach sechs Wochen Pilgerreise auf dem Via de la Plata kehrt Ignaz Redler zurück nach Hause

„Das war der bislang schwierigste Weg“

Karge Landschaften, wenig Menschen: Der Rühener Ignaz Redler machte auf dem Via de la Plata recht einsame Erfahrungen. Foto: Privat

Rühen. „Schön war es, aber auch sehr anstrengend. “ Dieses Resümee zieht Ignaz Redler nach seiner Rückkehr aus Spanien. Innerhalb von knapp sechs Wochen pilgerte der rüstige Rühener auf dem Via de la Plata nach Santiago de Compostela (Galicien).

Es war nicht das erste Mal, dass der 68-Jährige den Jakobsweg bestritten hat – aber wohl das erste Mal, mit neuen, anderen Erfahrungen.

„Der Süden, wo ich gestartet bin, war ein richtiger Traum. Überall gab es Apfelsinenbäume am Wegesrand und die Temperaturen waren richtig heiß. Ich habe mir sogar die Ohren verbrannt, weil ich vergessen hatte, sie einzucremen“, schmunzelt Redler. Doch der Klimaunterschied war gewaltig. Je weiter Redler nach Norden kam, desto kälter wurde es. Sogar die Schneegrenze hatte er erreicht. In Galicien musste sich der Rühener auf Regen einstellen.

Beeindruckt war Redler von der Pflasterung aus alten Quadersteinen, die noch teilweise aus der römischen Zeit vorhanden geblieben sind. Zeit genug, die Natur oder Bauten zu betrachten, hatte Redler. Da fand es der Rentner auch nicht so schlimm, dass es im Süden Spaniens etwas Verständigungsprobleme gab: „Ich konnte mich kaum verständigen, die können im Süden kaum Englisch.“ Hinzu kam, dass der Via de la Plata weitaus weniger frequentiert wird als beispielsweise der Camino Frances, der durch den Norden Spaniens führt. „Dort haben sich die Gastwirte auf die Pilgerströme eingeschossen. Der Via de la Plata kann ganz schön einsam sein“, erklärt Redler. Dabei wäre es schön gewesen, wenigsten abends i

So war das mit dem Essen generell ein Problem. „Im Süden sind die Menschen gewohnt, erst abends ab 20.30 Uhr warm zu essen. Zwischen 14 und 17 Uhr haben die Geschäfte generell geschlossen“, berichtet Redler dem IK. Brot, Wurst und Wasser seien seine Wegbegleiter gewesen. „Zuviel Gepäck darf man wegen des Gewichts ja nicht dabei haben. Allerdings hatte ich Ostern ein Problem, denn ich hatte vergessen, einzukaufen“, erinnert sich der Rühener. So ernährte sich der Rentner von dem, was Pilger in den Herbergen zurückließen oder selbst noch im Rucksack hatte. „Da kann man sich wieder richtig über eine Scheibe Brot mit Tomaten freuen und es wird einem bewusst, wie schön es zuhause ist“, weiß Redler.

Neben dem Essen war auch die Kleidung ein wichtiger Aspekt. Was man tagsüber getragen hatte, sei abends durchgeschwitzt gewesen. Wäsche zum Wechseln sei wichtig gewesen. Regen sei besonders schlimm gewesen. Nicht nur wegen der Kleidung, je weiter nördlich man gekommen sei, desto matschiger wurden die Wege. Zwischen 25 und 41 Kilometer ist Redler täglich gewandert – je nach Tageskondition und nächstmöglicher Herberge. Aber zwischen sechs und zehn Stunden sei man immer unterwegs gewesen. Morgens sei er immer ohne Frühstück aufgebrochen. „Ein deftiges Wurstfrühstück wie in Deutschland gibt es nicht. Ich musste warten, bis die Geschäfte öffneten.“ Ein komisches Gefühl sei Redler überkommen, als er freilaufenden Hunden oder gar Stieren begegnet sei. „Das kennt man gar nicht aus Deutschland – da wird einem schon ganz anders.“ Da war eine Wegwahl nicht unbedingt möglich. Selbst beim Duschen habe es nur zwei Möglichkeiten gegeben: heiß oder kalt. Durchgefroren nach dem Passieren der hohen Pässe gibt es in Spanien kaum die Möglichkeit, sich an einer Heizung zu wärmen.

Und zwischendurch immer wieder die Frage: „Was tust du dir da eigentlich an?“ Etwa 1150 Kilometer hat der Rühener zu Fuß hinter sich gebracht. „Es war der bislang schwierigste Weg für mich“, zieht Redler Bilanz und weiß dennoch: „Nächstes Jahr werde ich wieder pilgern – aber im deutschsprachigen Raum.“ Dann steht einem Schwätzchen auf dem Weg oder spätestens abends in der Herberge nichts mehr im Weg. In kürze steht aber erstmal gemeinsamer Urlaub mit der Ehefrau auf dem Plan.

Von Carola Peiser

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