Brome: Heimatforscher Fritz Boldhaus präsentiert 2014 beide Projekte / Grenzgeschichte im November

Chroniken über Zoll und Vereine

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2014 jährt sich die Grenzöffnung – hier in Zicherie/Böckwitz – zum 25. Mal. Passend dazu hat der Bromer Heimatforscher eine Dokumentation über die Geschichte des Bromer Zollkommissariats und der Zonengrenze erstellt.

Brome. 2014 jährt sich die Öffnung der innerdeutschen Grenze zum 25. Mal.

Auch der Bromer Heimatforscher Fritz Boldhaus steuert seinen Teil zu den Feierlichkeiten bei: Er arbeitet derzeit an einer Chronik über die Zeit der Teilung und das Bromer Zollkommissariat, die im November präsentiert werden soll. Schon Anfang Februar wird er außerdem sein umfangreiches Werk über das rege Bromer Vereinsleben bei einer Mühlenplauderei vorstellen.

Das 191 Seiten starke Buch mit dem Titel „Von Vereinen und Verbänden im Flecken Brome“ befindet sich derzeit im Druck. Erfasst sind darin insgesamt 108 Bromer Vereine, die ausführlich beschrieben und bebildert sind. „Der Aufbau ist chronologisch nach dem Jahr der Gründung geordnet“, erklärt Boldhaus.

Neben den heute bekannten Vereinen wie dem Schützenverein von 1813, dem FC Brome (1919) oder dem Gemischten Chor (1947) sind auch teils originelle Zusammenschlüsse aufgeführt. Wie dem Investmentclub der „Blauen Banker“, der 1989 gegründet wurde und mittlerweile nicht mehr existiert. „Wer die besten Tipps abgab, bekam eine ‚Goldene Nase‘ verliehen“, erläutert Boldhaus. Besonders stolz ist der Heimatforscher aber darauf, auch den wohl ersten Bromer Verein dokumentiert zu haben: Die Schuhmachergilde von 1696.

Noch in Arbeit, aber schon weit fortgeschritten ist das zweite Projekt, das Boldhaus im November vorstellen wird. „Von der Zonengrenze im Bromer Land, dem Zollkommissariat Brome, der Wende und danach“ dokumentiert dabei nicht nur die Zeit der deutsch-deutschen Teilung: „Brome lag immer an einer Grenze – natürlich nie in einer so furchtbaren Art, wie wir es 45 Jahre erleben mussten.“ Die Chronik beginnt deshalb mit einer Rückschau auf die seit Jahrhunderten wechselnden Herrschaftsbereiche – und endet auch nicht mit der Wende, sondern befasst sich ebenfalls mit der Folgezeit.

Fritz Boldhaus wird im kommenden Jahr gleich zwei Projekte präsentieren.

Boldhaus wichtigste Quelle ist dabei ein Ordner, den der frühere Bromer Zollbeamte Heinrich Steinmetz aufbewahrt hatte. Fotos, Zeitungsausschnitte und vor allem Berichte des Kommissariats, das für den Abschnitt von Radenbeck bis zum Mittellandkanal zuständig war, sind darin enthalten. „Ich habe mich gefragt, wie ich dieses umfangreiche Material und diese Themenstellung verarbeiten kann.“ Die Lösung: Mithilfe einer Broschüre des Innenministeriums entwickelte Boldhaus ein Zeitraster, dass die politische Großwetterlage vorgibt. „Darin habe ich die Bromer Geschichten eingearbeitet.“ Zu Wort kommen in dem Werk auch Zeitzeugen wie der Bromer Erich Harling, der über die Zeit des Kriegsendes und die ersten Grenzbewegungen Tagebuch führte. Die Steimker Reinhold Fricke und Hermann Buchmüller berichten, wie anfangs noch Grenzübertritte möglich waren und der Böckwitzer Paul Arenkens beschreibt, wie er bei der „Aktion Ungeziefer“ den Hof verlor.

Ebenfalls geschildert wird jeweils die Beziehung der Zöllner im Westen und der Grenzsoldaten im Osten zur Bevölkerung. Viele hatten in den Ortschaften geheiratet, eine Familie gegründet. Mit der Grenzöffnung 1989 hatte damals wohl kaum einer gerechnet. Boldhaus: „So groß die Freude auch war – für viele änderte sich das Leben schlagartig.“ Das gehe auch aus kurzen Protokollen hervor, die noch im August 1990 verfasst wurden. „Die mussten sehen, wie sie zurechtkamen.“ Häufig wurden die Zöllner etwa an die polnische Grenze versetzt.

Trotz aller Schwierigkeiten, die es im Nachhinein gegeben hatte: „Im Vordergrund steht das Erlebnis einer ganz großgeschichtlichen Zeit am Schluss eines mörderischen Jahrhunderts“, resümiert Boldhaus.

Die Vereinschronik wird am Donnerstag, 6. Februar, die Geschichte der Zonengrenze und des Zollkommissariats am Donnerstag, 20. November, jeweils ab 19 Uhr, im Rahmen einer Mühlenplauderei in der Rehfeldtschen Mühle in Brome präsentiert.

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