Bromer Schiedsmann: Blätter vom Nachbarn müssen weggeharkt werden

Laub nicht zurückwerfen

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Wurzelwerk, das vom Nachbargrundstück in den Garten wächst, darf entfernt werden, wenn es sich verbreitet oder sogar Schaden anrichtet.

Brome. Der Herbst ist da und langsam fallen die Blätter von den Bäumen. Überall sind die Menschen damit beschäftigt, Laub zusammenzufegen, zu harken und zu räumen.

Der Spaß an Spätsommer und Herbst wird manchem Gartenfreund verleidet, wenn ständig Blätter vom Nachbargrundstück herüberwehen. „Herbstlaub gilt als übliche und zumutbare ,Immission‘, die allgemein hingenommen werden muss“, sagt dazu Hartmut Jakobs, Schiedsmann der Samtgemeinde Brome.

Regelmäßig zur Herbstzeit taucht die Frage auf: Was mache ich mit den Blättern, die von den Bäumen des Nachbarn auf mein Grundstück fallen? Darf man sie einfach zurückwerfen? „Nein, ein Zurückwerfen ist nicht erlaubt, das ist sogar strafbar“, klärt Jakobs auf. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart aus dem Jahr 1985 müssen Laubfall, Samenpflug und andere von Pflanzen ausgehende Immissionen entschädigungslos hingenommen werden. Selbst Schattenwirkungen, die von Bäumen ausgehen, müssen hingenommen werden. „Jeder muss das Laub, selbst wenn es vom Nachbargrundstück kommt, entsorgen“, betont der Bromer Schiedsmann. Gerade in Wohngegenden mit Einfamilienhäusern und Gärten sei mit Laub zu rechnen. Laub müsse akzeptiert werden – in der Regel ohne Entschädigung, sagt Jakobs.

Allerdings dürfen Äpfel oder Birnen, die an den auf das Nachbargrundstück herüberreichenden Zweigen hängen, nicht einfach abgepflückt werden. Sie gehören solange dem Nachbarn, bis sie herunterfallen. Das ist im sogenannten „Hammerschlagsrecht“ geregelt: Kleinere Arbeiten und das Pflücken des Obstes sind mindestens einen Tag zuvor beim Nachbarn anzumelden. Sollten dabei Schäden auf dem Grundstück des Nachbarn entstehen, sind diese in vollem Umfang auszugleichen.

Es gilt aber auch, dass herüberhängende Äste und Zweige nicht hingenommen werden müssen. „Der Nachbar muss zur Beseitigung aufgefordert werden“, sagt Jakobs. Diese könne mündlich, besser jedoch schriftlich erfolgen. Erst wenn dann die Beseitigung nicht erfolgt, kann jeder zur Selbsthilfe greifen.

Während einer Vegetationsperiode ist jedoch das Zurückschneiden von Hecken und Zweigen in der Zeit vom 1. März bis 30. September nur mit Einschränkungen gestattet. Allerdings kann das Wurzelwerk der herüberwachsenden Sträucher und Bäume grundsätzlich entfernt werden. Die Wurzeln gehören zwar zum Gewächs, da sie aber unterirdisch sind, gehören sie nicht mehr dem ursprünglichen Besitzer, wenn sie sich auf dem Nachbargrundstück verbreitet oder sogar Schaden angerichtet haben.

Von Meike Karolat

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