„Familiengebilde verändern sich“

Bromer Erziehungsberatung: Was macht Corona mit dem Alltag der Eltern und Kinder?

Der Lockdown beginnt ab heute. Auch für Familien ist die weitere Verschärfung der Kontaktregelungen eine sehr große Herausforderung. Der Alltag verändert sich durch Homeoffice und Distanzlernen.
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Der Lockdown beginnt ab heute. Auch für Familien ist die weitere Verschärfung der Kontaktregelungen eine sehr große Herausforderung. Der Alltag verändert sich durch Homeoffice und Distanzlernen.
  • Hilke Bentes
    vonHilke Bentes
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Brome – Was macht der ab heute geltende Lockdown mit den Familien in der Samtgemeinde Brome? Schulen stellen den Präsenzunterricht ein, Menschen verlagern ihr Leben weiter in die eigenen vier Wände. Jennifer Wendt berät Familien in Brome zu Erziehungsfragen.

Und sie kriegt viel mit. Über Probleme, die im Alltag auftreten und über kleine Lichtblicke, die ihr Mut machen.

Seit Oktober suchen die Menschen in Brome noch öfter als sonst Wendts Rat. „Die Anfragen haben sich sehr gesteigert, die Menschen kommen häufiger zu uns.“ Seit einigen Jahren bietet Wendt schon eine offene Sprechstunde an, in Brome ist sie im Jugendtreff jeden zweiten Donnerstag anzusprechen.

Vieles ist bei den Anfragen anders. „In dieser Zeit kommen viele Elternpaare zusammen, also zu zweit, zu mir“, erklärt Wendt im IK-Gespräch. Plötzlich sind in vielen Haushalten zwei Elternteile daheim. Das hat Auswirkungen auf das Familiengefüge. „Plötzlich verändert sich das Teil des Ganzen“, so Wendt. Beide Elternteile – natürlich nicht in allen Haushalten – seien nun mittendrin statt nur dabei.

Aber nicht nur das Gefüge einer Familie verändere sich. Auch die Probleme, die im Alltag so auftreten, stünden plötzlich in einem anderen Licht da. „Erziehungsprobleme, die normalerweise gut zu bewältigen sind, kommen nun durch.“ Es sei ein anderer Druck, der bei Familien vorherrsche. Und genau diesen Druck müsse man hinauszunehmen versuchen. Den Blick zu verändern, den Standpunkt aufzugeben und, wie Wendt sagt: „Das Hamsterrad ausschalten.“

Mit Blick auf den heute beginnenden Lockdown helfe oft ein Blick von außen, um angestaute Probleme besser lösen zu können. „Es ist in diesen Tagen besonders wichtig, zuzuhören“, sagt Wendt. Auch der eigene Anspruch müsse korrigiert werden. „Es ist völlig okay, wenn Zimmer nicht perfekt aufgeräumt sind. Es muss über diese Dinge nicht gestritten werden.“

Wendt sieht oft, dass Familien oft mit einem Ausgangsproblem vorbeikommen, welches nicht dem Kern ihres Problems entspricht. „Der Blick auf die eigenen Ansprüche verlagert sich oft, da ist ein Blick von außen oft ganz hilfreich.“

Wendt sieht aber auch, wie Kinder vom Homeoffice ihrer Eltern profitieren. „Plötzlich sind in einigen Familien zwei Elternteile präsent, sie können mehr Zeit mit ihnen verbringen.“ Besonders für kleinere Kinder sei das, neben den vielen negativen Punkten, ein Gewinn.

Wendt sieht aber auch die Probleme: Soziale Kontakte fehlen, viele Jugendlichen vermissen den ungezwungenen Kontakt zu nahen Redepartnern. All das könne die Corona-Pandemie im Moment nicht bieten. „Der Blick wird in diesen Tagen mehr nach innen gerichtet.“

Die Erziehungsberatung soll in Brome auch im Lockdown bestehen bleiben. Auch digital oder per Telefon.

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