„Plötzlich ist die Situation da“

Brome: Astrid Leibach gründete Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige

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Wenn man einen Angehörigen pflegen muss, ändert sich das Leben von heute auf morgen. Nach Ansicht von Astrid Leibach gibt es im Kreis zu wenig Beratungsstellen.

Brome – Plötzlich ist die Situation da. Dass sie kommen wird, weiß man schon länger – „aber wirklich darauf vorbereiten kann man sich dennoch nicht“, sagt Astrid Leibach.

Astrid Leibach

Die Bromerin hat im Februar die Selbsthilfegruppe für pflegende und betreuende Angehörige ins Leben gerufen. „Grund dafür war, dass auch ich plötzlich in die Situation geraten bin, meine Mutter zu pflegen“, erzählt Leibach im IK-Gespräch. Sicherlich sei ihr bewusst gewesen, dass diese Verantwortung irgendwann mal auf sie zukommen würde, aber trotzdem scheint die Situation ganz plötzlich und unerwartet. „Vorher etwas in die Wege zu leiten oder zu organisieren, ist einfach nicht möglich und würde auch nicht viel bringen. Jede Situation gestaltet sich anders“, weiß die Bromerin.

Für Leibach stand fest: Sie wollte eine Selbsthilfegruppe gründen. Rat und Hilfe hat sie sich bei der AWO geholt. „Die stehen einem mit Rat und Unterstützung zur Seite. Sie können weiterhelfen, wenn es um Referenten geht oder beispielsweise um das Thema Patientenverfügung. Dort laufen einfach Fäden für sämtliche Selbsthilfegruppen zusammen“, erklärt Leibach.

Als das erste Treffen stattfand, hat Leibach festgestellt, wieviele Betroffene doch Redebedarf haben. Es fehle ihnen einfach, an die Hand genommen zu werden. „Daher sind die Treffen sehr wichtig – nicht nur zum Austausch, sondern auch, um sich gegenseitig zu stützen.“ Von heute auf morgen bekommt man ein anderes Leben übergestülpt, der Lebensalltag ist nicht mehr der gleiche.

Als Problem bezeichnet Leibach die Situation, dass es einfach viel zu wenig Anlaufstellen gebe, an denen Betroffene sich erkundigen können. Auch in Heimen fehle es einfach an Personal. Nicht zuletzt, weil auch die Bezahlung nicht die Beste sei und niemand den Beruf des Pflegers ergreifen möge. „Grundsätzlich müssten kreisweit einfach mehr Beratungsstellen eingerichtet werden. Es fehlt an Aufklärung, es fehlt an Adressen“, weiß die Bromerin.

Viele Betroffene sind einfach überfordert. „Es kommen zwei Sachen zusammen: Zum einen gehört man selbst nicht mehr zu den Jüngsten, zum anderen hat man plötzlich ein Elternteil oder einen Ehepartner, um den man sich intensiv kümmern muss. Da bleibt für einen selbst kaum noch Zeit übrig. Von heute auf morgen ist man nicht mehr die Partnerin, sondern eine Mutter, die sich kümmern muss“, so Leibach. Sie rät Betroffenen, sich Inseln zu suchen, wo sie was für sich tun können, einfach mal eine Stunde raus kommen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr im Betreuungsraum der Bromer Grundschule. Wegen des Feiertages findet das nächste Treffen erst am 9. Oktober statt. „Die Gruppe ist relativ klein, so dass auf jeden Teilnehmer eingegangen werden kann“, informiert Leibach. Sollte die Teilnehmerzahl steigen, wird es vermutlich eine zweite Gruppe geben. Weitere Informationen gibt es unter (0 58 33) 95 58 60.

VON CAROLA HUSSAK

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